Die Affen sind los … Deutschland wir kommen!

Südafrika Teil 2: Paarl, Stellenbosch, Cape Town & Wein (03. Nov. – 12. Nov.)
Wir erreichen den Wein-District Wellington-Paarl: schöne Weinberge vor grandioser Bergwelt, insbesondere am Abend. Wellington ist eine nette, kleine Stadt mit vielen Gebäuden im holländischen Kolonialstil: weiß, wie die Autos. Hier spricht man Afrikaans, Englisch ist merklich die Zweitsprache. Vielleicht ist Paarl nicht so berühmt wie die Nachbarregion Stellenbosch, ähnelt ihr aber sehr. Wir haben mit der Sauvignon Country Lodge eine tolle Unterkunft, Mariska & Kris sind vor 3 Jahren aus Belgien ausgewandert u. haben hier ein ehemaliges Weingut von Grund auf renoviert. Dieses betreiben sie mit viel Engagement u. Liebe. Max, ein Rhodesian-Ridgeback Mischling tut das Übrige zur Gästebindung. Am Abend noch geht’s zu Val Du Charron Wines, ein Weingut mit Terrassen-Restaurant u. Blick auf die Berge. Am Morgen leiht Kris uns seine Mountainbikes u. wir starten Richtung Lacaranda, ein kleines Weingut eines Schweizers. Seine Frau Birgit (aus dem Schwarzwald) wird angefunkt, kurz danach fährt sie vor. Sie haben in jungen Jahren schon viel erlebt, u. a. in Shanghai gelebt u. dort einen Weinvertrieb aufgebaut. Dann haben sie alles auf eine Karte gesetzt u. in Wellington das Weingut gekauft, dieses neu auf- u. ausgebaut. Wir sitzen beim Tasting auf der Veranda unter bestechend blau-blühenden Bäumen, die uns erstmals in Australien auffielen. Birgit hat einige von ihnen, sie heißen Lacaranda (endlich wissen wir auch das) u. sind der Namensgeber für das Weingut. Wir verkosten schöne, handgemachte Weine. Darunter ist auch ein sehr spezieller, weißer 2013er Chenin Blanc mit 16,5% Alkohol, der für den Export nach Deutschland nicht zugelassen wurde. Sehr angenehm sind der Sauvignon Blanc, der Chenin Blanc u. der Premium Blend: von easy-trinking bis komplex-interessant. Danach geht’s noch zu Bosman, einem der großen, internationalen Weinrebenzüchter, inzwischen mit Weingut-Anhang. Bei Bosman werden französische Reben auf amerikanische Wurzelreben aufgepropft. Ziel ist, die Reblaus außen vor zu halten, welche die Wurzeln von amerikanischen Rebe nicht befällt. Bosman besitzt ein imposantes Anwesen u. natürlich sehr viel Rebsorten, die in seine Weinproduktion mit eingehen. So probieren wir u. a. einen Rosé aus 47 (!) verschiedenen Trauben. Die Weine sind tlw. recht interessant, neben dem Pinotage gefallen ein Chenin Blanc aus dem drittältesten Chenin B. Weinberg Südafrikas u. ein Blend im Bordeaux-Stil. Ich werde noch kurz im Weinkeller eingesperrt … ein Traum für eine Nacht. Der Alte-Reben Chenin Blanc kommt mit, sehr professionell ist die Verpackung in Papier u. Extrakarton. Bosman ist – wie viele Weingüter – eingezäunt u. Wachpersonal prüft (sehr freundlich) das Kommen & Gehen. Den Tag danach geht’s zu Wellington Wines, einer Winzergenossenschaft. Da der Tasting-Room umgebaut wird, verkosten wir inmitten der Produktionsanlagen. Südafrika hat eine lange Weinbautradition, bis zum Ende der Apartheit aber war das Weingeschäft in Südafrika sehr zentral gesteuert … die Neustrukturierung u. internationale Ausrichtung waren zweifelsohne eine echte Herausforderung. Wir besuchen im Anschluss Diemersfontein, bekannt für an Schokolade u. u. Mokka erinnernde Pinotage’s: 2013 = Schokolade, 2014 = Mokka. Die Schokoversion geht mit, dient aber nur dem Tauschgeschäft mit Mariska -> wir dürfen einen 2012er Andreas Shiraz unser eigen nennen. Am späten Nachmittag steht noch Doolhof auf dem Plan, nach mehreren Kilometern welliger Schotterpiste erreichen wir ein abgelegenes Estate zu Füssen der Berge. Die Weine sind von … bis, der unlabeled 2008er Pinotage ist in jeder Hinsicht ein Schnapp u. begleitet uns auf dem Weg zurück. Nach einer TRX Runde im Garten geht’s am nächsten Tag Richtung Stellenbosch, dem Inbegriff für Südafrika-Wein. Wir treffen am späten Vormittag Yngvild, die Seniorchefin von Kaapzicht. Mit 190 Hektar ist Kaapzicht ein echtes Familien-Groß-Unternehmen. Yngvild (geb. in Bremen) u. der Winemaker, ihr Sohn Danie Jr. zeigen uns die Weinberge mit Blick auf den Tafelberg u. den Lions Head, die Kelleranlage u. die Weiterverarbeitungsstationen. Hier geht es weniger um Showrooms, hier ist authentisches Winemaking angesagt. Danie Jr. war nach seinem Studium einige Jahre in der globalen Weinwelt unterwegs u. gehört der neuen Generation südafrikanischer Winzer an. Danie arbeitete u. a. 6 Monate für Allan Scott in Marlborough, Neuseeland … vor wenigen Wochen noch waren wir bei Allan Scott, der Kreis schließt sich. Er führt die Geschichte seines Vaters Danie Sr. fort, der den Mut besaß, zu Zeiten der Apartheit u. allesbeherrschenden Zentralweingüter, 1984 erste eigene Weine zu produzieren. Repressalien trotzend u. wirtschaftlich schwierige Zeiten meisternd, war der heutige Erfolg die Belohnung all der Mühen. Heute arbeiten 50 (meist) Farbige auf dem Weingut, Kaapzicht zahlt das Schulgeld der Kinder der Familien u. am Nachmittag eine weitere Hausaufgabenbetreuung. Wir sind angetan von den Personen, der Geschichte, der sozialen Verantwortung u. nicht zuletzt den Top-Weinen Kaapzicht’s. Unglaublich: der 2001er Pinotage gewann 2004 unter Danie Sr. den Award Best Red Blend in the World by the International Wine & Spirits Competition in London, das gegen die Großen der Weinwelt mit ihren Cabernet Sauvignon, Merlot u. Syrah/Shiraz Weinen. Im Übrigen führt auch die Sansibar auf Sylt Weine von Kaapzicht u. der Pfälzer Weinstar Markus Schneider kooperiert mit Danie Jr. -> das Ergebnis ist der Olifant. Zweimal mehr: Respekt! PS. Interessanter Link zu Yngvild: http://www.kaapzicht.co.za/Page.aspx?PAGEID=2511&Type=About&CLIENTID=1104&Title=ABOUT US
Am Abend beziehen wir unser neues Quartier in den Hügeln von Somerset West unweit von Kapstadt. Von hier haben wir den Blick auf die Bay u. Somerset bei Nacht. Schnell schließen wir Freundschaft mit Orion u. Kenia, zwei Zuneigung suchenden schwarzen Riesenschnauzern.
Am nächsten Morgen fahren wir die N2 an Kapstadt vorbei nach Constantia zu Constantia Glen. Constantia liegt wunderschön in der Nähe des Tafelbergs u. des Atlantiks. Entlang der N2 Richtung Flughafen sehen wir erneut riesige, eingezäunte Townships mit improvisiertes Elektrizität u. Reihen von „Dixi-Klos“. Viele der Farbigen tragen trotz der Wärme Fleece-Pullis, Jacken u. sogar Strickmützen … Sonnenschutz der besonderen Art. Trotz der vielen Geschichten u. der meterhohen Elektrozäune in Somerset-West (unser aktuellen Heimat) hatten wir nie das Gefühl der Bedrohung. Jetzt aber: Constantia Glen ist das Vorzeige-Weingut: supermodern u. blitzblank, alles vom Neuesten. Hier wird versucht, aus allem das Optimum herauszuholen, so wird der Wein z. B. mit einem Fahrstuhl nach oben gebracht, um – ggf. qualitätsminderndes – Pumpen zu vermeiden. Horst Prader, quasi GF u. Vertreter der Besitzerfamilie nimmt sich Zeit, zeigt uns das Anwesen, die Produktion u. am Ende das Tasting-Bistro. Dort gibt es zu den (nur) 4 Weinen eine super leckere Vesper-Mahlzeit. Nicht nur die Sprache verrät Horst’s Heimat Österreich. Das aber ist über 50 Jahre her, Horst ist über 70 u. Arbeit ist sein Hobby. Die Weine 2 (weiß), 3 u. 5 (rot) sind prämiert u. sehr interessant. An dieser Stelle unseren Dank an Kerstin Zeter u. das Zeter Team, Weinagentur in der Pfalz für die Vermittlung der Kontakte. Wir fahren noch zu Buitenverwachting, einem der 10 Weingüter im beengten Constantia Wine-District. Das Tasting geht leider etwas in der Masse unter. Von da machen wir noch einen Abstecher nach St. James u. dem Beach: eine Great White Shark Area … zum Glück sind die Flaggen unten. Wir erfreuen uns der bunten Umkleidehäuser u. der ausgelassenen Stimmung. Auch hier am Strand wird von den Kindern viel Rugby gespielt, sicher animiert durch die WM in London. Südafrika wurde am Ende 3., Zweiter wurde Australien u. es gewann Neuseeland. Doch das richtige Shirt gekauft!
Am Sonntag wollen wir den Tafelberg besteigen, verlaufen uns aber u. kommen abseits zum Kloof Corner Point. Da die meisten mit der Seilbahn fahren, sich daher nicht verlaufen u. sich oben auf dem Tafelberg treffen, sind wir hier nahezu alleine. Wir genießen die Aussicht auf die Bay, den Lion‘s Head u. Cape Town. Am Nachmittag treffen wir Uschi, die Tante unserer Freundin Silke aus Bovenau b. Kiel im Kirstenbosch Botanic Garden zum Schnack. Uschi lebt schon lange in Südafrika, Kerstin kennt sie aus Nordfriesland. Sie gibt uns div. Sicherheitsratschläge mit auf den Weg u. so beschließen wir, die N2 noch vor Anbruch der Dunkelheit zu passieren. Und wirklich: auch auf der N2 erscheinen Anzeigetafeln, dass man in der Nacht nicht anhalten sollte -> egal, was passiert u. egal, wer auf der Straße liegt. Wir essen in Somerset bei Werner in Steffi’s Place, ein gut besuchter Laden. Somerset-West Hills ist ein sehr gut situierter Stadtteil, viele Deutsche leben hier im europäischen Winter. Überhaupt hört man in Südafrika ständig deutsch: viele deutsche Touristen, deutsche Auswanderer u. deutschsprachige Nachbarn aus Österreich u. der Schweiz … man spricht deutsch.
Am Folgetag besuchen wir die Stark Conde Winery, eine traumhafte gelegene Anlage außerhalb Stellenboschs, das Tasting findet auf der Tearrasse inmitten des Teiches statt. Wir fahren im Anschluss noch auf einen Bauernmarkt in Stellenbosch, interessant sind neben dem Kunsthandwerk vor allem die kulinarischen Leckereien. Wir packen die Beyerskloof Winery u. Warwicks Estate noch mit rein, beide Tastings gehen in deren Besucher-Masse unter. Mehr in Erinnerung bleibt danach die ausgelassene Stimmung bei Sonnenuntergang am Strand von Somerset: Surfer, Angler, Schwimmer, schwarz, farbig, weiß … so soll’s sein. Am Vormittag fahren wir zu Laibach Estates, die Besitzer-Familie kommt aus Heidelberg: schönes Weingut mit Blick auf den Tafel- u. Simonsberg, nettes Team u. ansprechende Weine. Von da geht’s über die Straße zu Kanonenkop. Wir probieren – neben dem Renner Kadette (Cape Blend = mind. 30% Pinotage) – noch den einen oder anderen, zum echten Austausch sind leider zu viele Leute da.
Auf geht’s zu Morgenhof Estates, eine weitere, beeindruckende, parkähnliche Anlage, wichtig ist hier zunächst der Internet Hotspot – da wir in Somerset Probleme haben – um Südafrika Teil 1 „rauszuhauen“. In Folge noch ein Quick-Tasting auf der Veranda: die Weißweine bekommen ein Plus. Zum Abschluss fahren wir noch die Wal-Coast-Route Richtung Cape Hangclip = falscher Cape Point u. genießen auf der Gebirgstrasse noch den Sonnenuntergang überm Atlantik. Der richtige Cape Point u. das Kap der guten Hoffnung aber soll noch kommen, gleich den Tag danach. Zunächst steuern wir Boulders Beach an u. treffen auf ca. 3.000 Pinguine, die allerdings sind echt klein, mehr Möwe ohne Flugtauglichkeit. Im Anschluss fahren wir guter Hoffnung zum Cape Point. Wir besuchen den alten wie den neuen Leuchtturm u. wandern entlang der Küste – tlw. unter Pavian-Eskorte – zum Cape of good Hope: besinnliche Momente u. tolle Bilder. Wir fahren die andere Seite des Zipfels Richtung Norden, passieren auf der Scenic Route Chapman’s Point, die Bergkette 12 Apostel u. kommen nach Houts Bay + Camps Bay zur Rückseite des Tafelbergs -> der Kreis schließt sich.
Wir verlassen am Morgen Somerset-West u. treffen Wessel von M.A.N. … auf der Restaurant-Terrasse verkosten wir 12 Weine, die Restaurant-Besucher um uns herum wissen das Geschehen nicht wirklich einzuordnen. Einen Teil der Weine sind mir bekannt, neue, nicht weniger interessante kommen hinzu. Wir haben – in jeder Hinsicht – viel Spaß! Auf den Weg zum historischen & beschaulichen Franschhoek schauen wir noch bei Neil Ellis Estate rein, ein modernes Weingut mit guten Weinen. Auch hier gefällt der weiße Chenin Blanc, der hier in Südafrika Steen genannt wird. Auf dem Weg zur unserer letzten Reise-Unterkunft Wellington (Mariska & Kris) halten wir kurz bei der Boschendal Winery, ein schöner Park mit weißen, kolonial-holländischen Gebäuden. Ein Quick-Tasting bringt dank der Weine (z. T. jedoch zu jung u. damit zu präsente Tannin) u. des ausgelassenen Waiters viel Spaß. Wir fahren nach Wellington, treffen Mariska, Kris u. Max wieder … auch geben wir das vermisste Fahrradschloss zurück: deutsche Gründlichkeit. Am letzten Tag besuchen wir auf dem Weg zum Flughafen noch das Asara Wine Estate, tolle Anlage mit weitem Blick über die Täler hin zu den wolkenbedeckten Bergen.
Wir nehmen Abschied von Südafrika! Vor uns liegen – inkl. Zwischenlandung in London – bis HH weitere 20 Stunden Reisezeit. Aber wir sind ja schon in der Zeitzone. Bleibt uns noch ein Resümee der Reise … das folgt über den Wolken!

*Bilder: “Tischdecke” über d. Bergen, Neuzeit-Architektur: Neil Ellis Estate, Tasting m. Wessel von MAN, Ulianda m. Kerstin in Somerset, Kap der guten Hoffnung (3), schwarze Echsen u. Pinguine (2), Küstenerde, Sonnenuntergang überm Atlantik, holländische Kolonial-Gebäude, Flaschen von 0,75 bis 18,0 l, Hoch-Terrasse von Laibach, Tafelberg + Lion’s Head, Cape Town Hafen, Townships an der N2, ein ganz Großer, Stark Conde Winery, Spaß am Strand + bunte Umkleidekabinen (2), Weinberg v. Bergkulisse, Horst von Constantia Glen, supermoderne Tankanlage von C. G., Blick von Somerset West B&B, Ingvild v. Kaapzicht, Kaapzicht Arbeiter b. Verpacken des Icon-Weins, Abenddämmerung, Max, Tasting Room Managerin b. Diemersfontein, holländische Kirche in Wellington, Mariska & Kris, Birgit u. Weinberg von Lacaranda, Uschi im Botanic Garden, Kellerverlies m. “Freude”.