Deutschland, wir kommen …

… hello again.

IMG_1470

Jede Reise geht zu Ende, auch die unsere. Und das ist gut so! Wir freuen uns auf Zuhause, die Familie, Freunde, Bekannte … das eigene Bett. Wir freuen uns auf Park-Fitness u. auch die neuen Aufgaben, die anstehen! OK, vielleicht weniger auf den einstelligen Temperaturbereich.

Die Reise in Zahlen: 10 Wochen waren wir unterwegs: 8 Länder in 4 Kontinenten. Zu den 34.000 Flugmeilen addieren sich etwa 8.500 Auto-Kilometer. Wir kommen auf 47 verschiedene Übernachtungsorte: 47 x Unterkunft finden sowie 47 x Ein- u. Auspacken. Wir besuchten während der Reise 79 Weingüter. Die 13 bekommt für uns eine neue Bedeutung: 13 Mal haben wir die Uhr umgestellt. In Summe haben wir 13 Lang- u. Kurzstreckenflüge absolviert, den letzten am Freitag, den 13.! Für Freunde fortgeschrittener Statistik: alles in Allem waren wir 71 Stunden = nahezu 3 Tage in 10.000 Meter Höhe: Economy.

Was aber sind Zahlen gegen die Erlebnisse auf der Reise: viele interessante Menschen haben wir getroffen. Vor nicht wenigen ziehen wir den Hut: vor denen, die es nicht leicht im Leben haben, sich dennoch nicht unterkriegen lassen u. voller Optimismus sind. Die anderen, weil sie enormen Mut haben, neue Dinge anpacken u. an ihre Idee glauben. Gerne erinnern wir uns an Leslie’s Worte in Argentinien: wer viel reist u. viel sieht weiß, was er an Zuhause hat. Und ganz sicher haben wir das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu leben!

Vielen haben wir Dank zu sagen: für die Unterstützung im Vorfelde, den wachsamen Blick auf Haus & Hof während der Abwesenheit … aber auch die eine oder andere aufmunternde Nachricht aus der Heimat in die Ferne. Wir hatten das große Glück, nicht ernsthaft erkrankt zu sein, das Dinge weitgehend funktioniert haben u. „spannende Momente“ gut ausgingen. Für Körper u. Geist war es schon so manches Mal eine echte Herausforderung, aber man wächst ja bekanntlich mit der Aufgabe. Auch lagen mal die Nerven blank oder die Luft war raus … aber den Tiefs folgten umso schönere Hochs. Insider haben bestimmt auf das Bild mit dem Eis gewartet: Eis gab’s schon, das aber nur zum Vergnügen.

Wir besuchten viele Weingüter, trafen hochinteressante Winemaker u. verkosteten um die 400 Weine. Große Estates, Namen von Welt waren dabei, ebenso eine Menge kleiner u. mittlerer Family owned Wineries. Internationales Kapital vs. Passion u. Rund-um-die-Uhr Engagement, beides kann zu tollen Weinen führen. Wir hatten die Freude, viele interessante Weine im Glas zu haben!

Bestimmt braucht es nun zu Hause weitere 10 Wochen die Eindrücke zu sortieren u. zu verarbeiten. Ganz sicher werden viele davon bleiben, die Reise hat in verschiedener Art & Weise den Horizont erweitert u. sich mehr als gelohnt. Es war die richtige Entscheidung zur passenden Zeit!      

Im letzten Satz möchte ich mich noch einmal persönlich bedanken: bei Florian, der die Stellung hielt u. zu Hause so einige Bälle zu jonglieren hatte. Besonders aber bei Kerstin, die diese „spezielle Reise“ mitmachte u. mir dabei viele Freiheiten lies!

Südafrika: Paarl, Stellenbosch, Cape Town & Wein (03. Nov. – 12. Nov.)

Die Affen sind los … Deutschland wir kommen!

IMG_3285

Südafrika Teil 2: Paarl, Stellenbosch, Cape Town & Wein (03. Nov. – 12. Nov.)

Wir erreichen den Wein-District Wellington-Paarl: schöne Weinberge vor grandioser Bergwelt, insbesondere am Abend. Wellington ist eine nette, kleine Stadt mit vielen Gebäuden im holländischen Kolonialstil: weiß, wie die Autos. Hier spricht man Afrikaans, Englisch ist merklich die Zweitsprache. Vielleicht ist Paarl nicht so berühmt wie die Nachbarregion Stellenbosch, ähnelt ihr aber sehr. Wir haben mit der Sauvignon Country Lodge eine tolle Unterkunft, Mariska & Kris sind vor 3 Jahren aus Belgien ausgewandert u. haben hier ein ehemaliges Weingut von Grund auf renoviert. Dieses betreiben sie mit viel Engagement u. Liebe. Max, ein Rhodesian-Ridgeback Mischling tut das Übrige zur Gästebindung. Am Abend noch geht’s zu Val Du Charron Wines, ein Weingut mit Terrassen-Restaurant u. Blick auf die Berge. Am Morgen leiht Kris uns seine Mountainbikes u. wir starten Richtung Lacaranda, ein kleines Weingut eines Schweizers. Seine Frau Birgit (aus dem Schwarzwald) wird angefunkt, kurz danach fährt sie vor. Sie haben in jungen Jahren schon viel erlebt, u. a. in Shanghai gelebt u. dort einen Weinvertrieb aufgebaut. Dann haben sie alles auf eine Karte gesetzt u. in Wellington das Weingut gekauft, dieses neu auf- u. ausgebaut. Wir sitzen beim Tasting auf der Veranda unter bestechend blau-blühenden Bäumen, die uns erstmals in Australien auffielen. Birgit hat einige von ihnen, sie heißen Lacaranda (endlich wissen wir auch das) u. sind der Namensgeber für das Weingut. Wir verkosten schöne, handgemachte Weine. Darunter ist auch ein sehr spezieller, weißer 2013er Chenin Blanc mit 16,5% Alkohol, der für den Export nach Deutschland nicht zugelassen wurde. Sehr angenehm sind der Sauvignon Blanc, der Chenin Blanc u. der Premium Blend: von easy-trinking bis komplex-interessant. Danach geht’s noch zu Bosman, einem der großen, internationalen Weinrebenzüchter, inzwischen mit Weingut-Anhang. Bei Bosman werden französische Reben auf amerikanische Wurzelreben aufgepropft. Ziel ist, die Reblaus außen vor zu halten, welche die Wurzeln von amerikanischen Rebe nicht befällt. Bosman besitzt ein imposantes Anwesen u. natürlich sehr viel Rebsorten, die in seine Weinproduktion mit eingehen. So probieren wir u. a. einen Rosé aus 47 (!) verschiedenen Trauben. Die Weine sind tlw. recht interessant, neben dem Pinotage gefallen ein Chenin Blanc aus dem drittältesten Chenin B. Weinberg Südafrikas u. ein Blend im Bordeaux-Stil. Ich werde noch kurz im Weinkeller eingesperrt … ein Traum für eine Nacht. Der Alte-Reben Chenin Blanc kommt mit, sehr professionell ist die Verpackung in Papier u. Extrakarton. Bosman ist – wie viele Weingüter – eingezäunt u. Wachpersonal prüft (sehr freundlich) das Kommen & Gehen. Den Tag danach geht’s zu Wellington Wines, einer Winzergenossenschaft. Da der Tasting-Room umgebaut wird, verkosten wir inmitten der Produktionsanlagen. Südafrika hat eine lange Weinbautradition, bis zum Ende der Apartheit aber war das Weingeschäft in Südafrika sehr zentral gesteuert … die Neustrukturierung u. internationale Ausrichtung waren zweifelsohne eine echte Herausforderung. Wir besuchen im Anschluss Diemersfontein, bekannt für an Schokolade u. u. Mokka erinnernde Pinotage’s: 2013 = Schokolade, 2014 = Mokka. Die Schokoversion geht mit, dient aber nur dem Tauschgeschäft mit Mariska -> wir dürfen einen 2012er Andreas Shiraz unser eigen nennen. Am späten Nachmittag steht noch Doolhof auf dem Plan, nach mehreren Kilometern welliger Schotterpiste erreichen wir ein abgelegenes Estate zu Füssen der Berge. Die Weine sind von … bis, der unlabeled 2008er Pinotage ist in jeder Hinsicht ein Schnapp u. begleitet uns auf dem Weg zurück. Nach einer TRX Runde im Garten geht’s am nächsten Tag Richtung Stellenbosch, dem Inbegriff für Südafrika-Wein. Wir treffen am späten Vormittag Yngvild, die Seniorchefin von Kaapzicht. Mit 190 Hektar ist Kaapzicht ein echtes Familien-Groß-Unternehmen. Yngvild (geb. in Bremen) u. der Winemaker, ihr Sohn Danie Jr. zeigen uns die Weinberge mit Blick auf den Tafelberg u. den Lions Head, die Kelleranlage u. die Weiterverarbeitungsstationen. Hier geht es weniger um Showrooms, hier ist authentisches Winemaking angesagt. Danie Jr. war nach seinem Studium einige Jahre in der globalen Weinwelt unterwegs u. gehört der neuen Generation südafrikanischer Winzer an. Danie arbeitete u. a. 6 Monate für Allan Scott in Marlborough, Neuseeland … vor wenigen Wochen noch waren wir bei Allan Scott, der Kreis schließt sich. Er führt die Geschichte seines Vaters Danie Sr. fort, der den Mut besaß, zu Zeiten der Apartheit u. allesbeherrschenden Zentralweingüter, 1984 erste eigene Weine zu produzieren. Repressalien trotzend u. wirtschaftlich schwierige Zeiten meisternd, war der heutige Erfolg die Belohnung all der Mühen. Heute arbeiten 50 (meist) Farbige auf dem Weingut, Kaapzicht zahlt das Schulgeld der Kinder der Familien u. am Nachmittag eine weitere Hausaufgabenbetreuung. Wir sind angetan von den Personen, der Geschichte, der sozialen Verantwortung u. nicht zuletzt den Top-Weinen Kaapzicht’s. Unglaublich: der 2001er Pinotage gewann 2004 unter Danie Sr. den Award Best Red Blend in the World by the International Wine & Spirits Competition in London, das gegen die Großen der Weinwelt mit ihren Cabernet Sauvignon, Merlot u. Syrah/Shiraz Weinen. Im Übrigen führt auch die Sansibar auf Sylt Weine von Kaapzicht u. der Pfälzer Weinstar Markus Schneider kooperiert mit Danie Jr. -> das Ergebnis ist der Olifant. Zweimal mehr: Respekt! PS. Interessanter Link zu Yngvild: http://www.kaapzicht.co.za/Page.aspx?PAGEID=2511&Type=About&CLIENTID=1104&Title=ABOUT US

Am Abend beziehen wir unser neues Quartier in den Hügeln von Somerset West unweit von Kapstadt. Von hier haben wir den Blick auf die Bay u. Somerset bei Nacht. Schnell schließen wir Freundschaft mit Orion u. Kenia, zwei Zuneigung suchenden schwarzen Riesenschnauzern.

Am nächsten Morgen fahren wir die N2 an Kapstadt vorbei nach Constantia zu Constantia Glen. Constantia liegt wunderschön in der Nähe des Tafelbergs u. des Atlantiks. Entlang der N2 Richtung Flughafen sehen wir erneut riesige, eingezäunte Townships mit improvisiertes Elektrizität u. Reihen von „Dixi-Klos“. Viele der Farbigen tragen trotz der Wärme Fleece-Pullis, Jacken u. sogar Strickmützen … Sonnenschutz der besonderen Art. Trotz der vielen Geschichten u. der meterhohen Elektrozäune in Somerset-West (unser aktuellen Heimat) hatten wir nie das Gefühl der Bedrohung. Jetzt aber: Constantia Glen ist das Vorzeige-Weingut: supermodern u. blitzblank, alles vom Neuesten. Hier wird versucht, aus allem das Optimum herauszuholen, so wird der Wein z. B. mit einem Fahrstuhl nach oben gebracht, um – ggf. qualitätsminderndes – Pumpen zu vermeiden. Horst Prader, quasi GF u. Vertreter der Besitzerfamilie nimmt sich Zeit, zeigt uns das Anwesen, die Produktion u. am Ende das Tasting-Bistro. Dort gibt es zu den (nur) 4 Weinen eine super leckere Vesper-Mahlzeit. Nicht nur die Sprache verrät Horst’s Heimat Österreich. Das aber ist über 50 Jahre her, Horst ist über 70 u. Arbeit ist sein Hobby. Die Weine 2 (weiß), 3 u. 5 (rot) sind prämiert u. sehr interessant. An dieser Stelle unseren Dank an Kerstin Zeter u. das Zeter Team, Weinagentur in der Pfalz für die Vermittlung der Kontakte. Wir fahren noch zu Buitenverwachting, einem der 10 Weingüter im beengten Constantia Wine-District. Das Tasting geht leider etwas in der Masse unter. Von da machen wir noch einen Abstecher nach St. James u. dem Beach: eine Great White Shark Area … zum Glück sind die Flaggen unten. Wir erfreuen uns der bunten Umkleidehäuser u. der ausgelassenen Stimmung. Auch hier am Strand wird von den Kindern viel Rugby gespielt, sicher animiert durch die WM in London. Südafrika wurde am Ende 3., Zweiter wurde Australien u. es gewann Neuseeland. Doch das richtige Shirt gekauft!

Am Sonntag wollen wir den Tafelberg besteigen, verlaufen uns aber u. kommen abseits zum Kloof Corner Point. Da die meisten mit der Seilbahn fahren, sich daher nicht verlaufen u. sich oben auf dem Tafelberg treffen, sind wir hier nahezu alleine. Wir genießen die Aussicht auf die Bay, den Lion‘s Head u. Cape Town. Am Nachmittag treffen wir Uschi, die Tante unserer Freundin Silke aus Bovenau b. Kiel im Kirstenbosch Botanic Garden zum Schnack. Uschi lebt schon lange in Südafrika, Kerstin kennt sie aus Nordfriesland. Sie gibt uns div. Sicherheitsratschläge mit auf den Weg u. so beschließen wir, die N2 noch vor Anbruch der Dunkelheit zu passieren. Und wirklich: auch auf der N2 erscheinen Anzeigetafeln, dass man in der Nacht nicht anhalten sollte -> egal, was passiert u. egal, wer auf der Straße liegt. Wir essen in Somerset bei Werner in Steffi’s Place, ein gut besuchter Laden. Somerset-West Hills ist ein sehr gut situierter Stadtteil, viele Deutsche leben hier im europäischen Winter. Überhaupt hört man in Südafrika ständig deutsch: viele deutsche Touristen, deutsche Auswanderer u. deutschsprachige Nachbarn aus Österreich u. der Schweiz … man spricht deutsch.

Am Folgetag besuchen wir die Stark Conde Winery, eine traumhafte  gelegene Anlage außerhalb Stellenboschs, das Tasting findet auf der Tearrasse inmitten des Teiches statt. Wir fahren im Anschluss noch auf einen Bauernmarkt in Stellenbosch, interessant sind neben dem Kunsthandwerk vor allem die kulinarischen Leckereien. Wir packen die Beyerskloof Winery u. Warwicks Estate noch mit rein, beide Tastings gehen in deren Besucher-Masse unter. Mehr in Erinnerung bleibt danach die ausgelassene Stimmung bei Sonnenuntergang am Strand von Somerset: Surfer, Angler, Schwimmer, schwarz, farbig, weiß … so soll’s sein. Am Vormittag fahren wir zu Laibach Estates, die Besitzer-Familie kommt aus Heidelberg: schönes Weingut mit Blick auf den Tafel- u. Simonsberg, nettes Team u. ansprechende Weine. Von da geht’s über die Straße zu Kanonenkop. Wir probieren – neben dem Renner Kadette (Cape Blend = mind. 30% Pinotage) – noch den einen oder anderen, zum echten Austausch sind leider zu viele Leute da.

Auf geht’s zu Morgenhof Estates, eine weitere, beeindruckende, parkähnliche Anlage, wichtig ist hier zunächst der Internet Hotspot – da wir in Somerset Probleme haben – um Südafrika Teil 1 „rauszuhauen“. In Folge noch ein Quick-Tasting auf der Veranda: die Weißweine bekommen ein Plus. Zum Abschluss fahren wir noch die Wal-Coast-Route Richtung Cape Hangclip = falscher Cape Point u. genießen auf der Gebirgstrasse noch den Sonnenuntergang überm Atlantik. Der richtige Cape Point u. das Kap der guten Hoffnung aber soll noch kommen, gleich den Tag danach. Zunächst steuern wir Boulders Beach an u. treffen auf ca. 3.000 Pinguine, die allerdings sind echt klein, mehr Möwe ohne Flugtauglichkeit. Im Anschluss fahren wir guter Hoffnung zum Cape Point. Wir besuchen den alten wie den neuen Leuchtturm u. wandern entlang der Küste – tlw. unter Pavian-Eskorte – zum Cape of good Hope: besinnliche Momente u. tolle Bilder. Wir fahren die andere Seite des Zipfels Richtung Norden, passieren auf der Scenic Route Chapman’s Point, die Bergkette 12 Apostel u. kommen nach Houts Bay + Camps Bay zur Rückseite des Tafelbergs -> der Kreis schließt sich.

Wir verlassen am Morgen Somerset-West u. treffen Wessel von M.A.N. … auf der Restaurant-Terrasse verkosten wir 12 Weine, die Restaurant-Besucher um uns herum wissen das Geschehen nicht wirklich einzuordnen. Einen Teil der Weine sind mir bekannt, neue, nicht weniger interessante kommen hinzu. Wir haben – in jeder Hinsicht – viel Spaß! Auf den Weg zum historischen & beschaulichen Franschhoek schauen wir noch bei Neil Ellis Estate rein, ein modernes Weingut mit guten Weinen. Auch hier gefällt der weiße Chenin Blanc, der hier in Südafrika Steen genannt wird. Auf dem Weg zur unserer letzten Reise-Unterkunft Wellington (Mariska & Kris) halten wir kurz bei der Boschendal Winery, ein schöner Park mit weißen, kolonial-holländischen Gebäuden. Ein Quick-Tasting bringt dank der Weine (z. T. jedoch zu jung u. damit zu präsente Tannin) u. des ausgelassenen Waiters viel Spaß. Wir fahren nach Wellington, treffen Mariska, Kris u. Max wieder … auch geben wir das vermisste Fahrradschloss zurück: deutsche Gründlichkeit. Am letzten Tag besuchen wir auf dem Weg zum Flughafen noch das Asara Wine Estate, tolle Anlage mit weitem Blick über die Täler hin zu den wolkenbedeckten Bergen.

Wir nehmen Abschied von Südafrika! Vor uns liegen – inkl. Zwischenlandung in London –  bis HH weitere 20 Stunden Reisezeit. Aber wir sind ja schon in der Zeitzone. Bleibt uns noch ein Resümee der Reise … das folgt über den Wolken!

IMG_3349 IMG_3341 IMG_3330 IMG_3324 IMG_3287 IMG_3282 IMG_3275 IMG_3269 IMG_3228 IMG_3215 IMG_3212 IMG_3205 IMG_3192 IMG_3189 IMG_3168 IMG_3164 IMG_3142 IMG_3126 IMG_3115 IMG_3103 IMG_3101 IMG_3094 IMG_3090 IMG_3086 IMG_3056 IMG_3051 IMG_3035 IMG_3027 IMG_3044 IMG_3026 IMG_3023 FullSizeRender IMG_2990 IMG_2994 IMG_3175 IMG_3002

*Bilder: “Tischdecke” über d. Bergen, Neuzeit-Architektur: Neil Ellis Estate, Tasting m. Wessel von MAN, Ulianda m. Kerstin in Somerset, Kap der guten Hoffnung (3), schwarze Echsen u. Pinguine (2), Küstenerde, Sonnenuntergang überm Atlantik, holländische Kolonial-Gebäude, Flaschen von 0,75 bis 18,0 l, Hoch-Terrasse von Laibach, Tafelberg + Lion’s Head, Cape Town Hafen, Townships an der N2, ein ganz Großer, Stark Conde Winery, Spaß am Strand + bunte Umkleidekabinen (2), Weinberg v. Bergkulisse, Horst von Constantia Glen, supermoderne Tankanlage von C. G., Blick von Somerset West B&B, Ingvild v. Kaapzicht, Kaapzicht Arbeiter b. Verpacken des Icon-Weins, Abenddämmerung, Max, Tasting Room Managerin b. Diemersfontein, holländische Kirche in Wellington, Mariska & Kris, Birgit u. Weinberg von Lacaranda, Uschi im Botanic Garden, Kellerverlies m. “Freude”.

Südafrika: Garden Route & Nationalparks (30. Okt. – 02. Nov.)

Mit der Wärmflaschen durch Südafrika …

IMG_2889

Von Sydney aus geht’s 14 Std. lang übern Indischen Ozean, zum Glück ist der Jumbojet nicht ausgebucht u. wir haben etwas Platz. Auch ist die Crew entspannt u. es gibt diesmal sogar 4 Weine (Shiraz, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Semillon) zur Auswahl. Die Weine sind Airline-Durchschnitt, einen Sonderpunkt aber gibt’s für die Anzahl der Weine. Der Cabernet ist lt. Etikett für 30.000m Höhe gemacht, wahrscheinlich hatten wir gerade die falsche Flughöhe. Wir landen gg. Abend in Johannisburg, haben erneut eine Zeitverschiebung um 9 Stunden, aber im Uhrumstellen sind wir zwischenzeitlich geübt. Nach einer kurzen Nacht im Flughafenhotel starten wir 06.40 – nachdem wir beim Einchecken & Gepäckhandling auf zwei Afrikaner reingefallen sind – etwas missgelaunt Richtung George an der Südküste Südafrikas. Das Gepäck aber kam mit, so löste sich die Spannung wieder etwas.

Mit dem Wagen geht’s sobald in den Tsitsikamma National Park, diesmal die Kür: Linksverkehr, rechter Fahrersitz u. Handschaltung. Im Übrigen wieder ein asiatisches Modell: Kia. Inzwischen sind wir Ratgeber für asiatische Fahrzeuge. Überhaupt sind die Fahrzeuge auf den Straßen hier fast alle (80% plus) weiß: die Wärme, der Trend (?) u. bei den Mietwagen sicher der günstigere Anschaffungspreis. In Südafrika sehen wir erstmals wieder verstärkt deutsche Marken: VW, Audi, BMW, Mercedes u. auch Porsche. Auf dem Weg kommen wir am Juraki Park vorbei, hier werden verschiedenste Raubtiere aus Rückläufen (Privatbesitz, Circus, Zoo) gehalten. Ein Ranger will gerade mit einem irischen Paar los, uns hat er gleich mit an der Backe. Er heißt Bert, ist in unserem Alter u. hat enorm viel zu erzählen: die unterschiedlichen Lebensweisen, die völlig verschiedenen Jagd- u. Erlegungsweisen von (dort lebenden) weißen, sibirischen u. bengalischen Tigern, weißen u. normalen Löwen, Geparden, Leoparden, Pumas, Hyänen u. a. Wir kommen hautnah an die Tiere ran, nur der Zaun trennt uns, der jedoch steht unter Strom. Wir auch … ganz im Bann von Bert’s Erzählungen. Er ist als Junge in Namibia mit einem Leoparden aufgewachsen u. gibt dieses sehr lebendig wieder. Leider vergisst man zu schnell. Einige Arten sind vom Aussterben bedroht, nicht selten ist die traditionelle chinesische Medizin Grund für die Jagd auf die seltenen Tiere. Das im Wald, unweit des Ozeans gelegene Holz-Zelt im Tsitsikamma ist schon spannend, die Toilette nicht wirklich um die Ecke. Kerstin erschrak doch sehr beim Anblick eines Rock-Dassie, eine Art Murmeltier, welches im Vorbeihuschen schnell für eine Riesenratte gehalten werden kann. Diese Tiere sind hier überall, belagern auch Stühle u. Tische … der nächtliche Toilettengang ist ungewiss. Der Indische Ozean ist recht wild, hohe Wellen schlagen an u. man hört das Wasser in der Nacht sehr deutlich. Der Abendwanderung zu den Hängebrücken am Storms River Mouth folgt am Tag danach eine ambitionierte, mehrstündige – aber sehr beeindruckende – Klettertour über Steinformationen zum Wasserfall. Dem Thema Wein bleibt in diesen Tagen nur die Begleitfunktion beim Abendessen, der Fokus aber ist klar: Pinotage, das Rotweinaushängeschild Südafrikas, sowie das weiße Gegenstück Chenin Blanc. Als nächstes übernachten wir in Knysna auf der Gardenroute gen Westen gelegen. Zum Abendessen sind wir bei JJ’s, eine Institution am Hafen. Inhaber Justin (das erste „J“) kümmert sich sehr persönlich um seine Gäste, er empfiehlt den Pinotage von Diemersfontein aus Wellington … der ist sehr schokoladig. Die leere Flasche dürfen wir dann beschriften, sie ziert jetzt – mit vielen anderen – die Decke von JJ’s Restaurant.

Vor Knysna geht’s noch ins Landesinnere zum Gondwana Camp, Safari ist angesagt. Wir fahren über Schotterpisten, passieren div. Sicherheitsschleusen u. erreichen das Camp. Dort haben wir eine großzügige Hütte, afrikanisch eingerichtet … jedoch wildtiersicher aus Beton. Vor der Hütte liegen Elefanten-Köttel, ein Fake? Leider regnet es den ganzen Tag schon, die Temperaturen sind mächtig gefallen u. so wird die erste Safaritour im offenen Land Rover zur nasskalten Angelegenheit. Kerstin ist gerüstet u. schenkt unserem Ranger Felix ein Paar Handschuhe (!) Felix ist aus Simbabwe, hat 15 Jahre mit Elefanten gearbeitet u. ist seit 3 Jahren Ranger in Südafrika. Wie alle hier ist auch Felix immer gut gelaunt u. man spürt die Freude u. den Stolz, diesen Job zu haben. Arbeiten tun sie echt viel, Freizeit u. Urlaub werden kleingeschrieben. Bestimmt liebt Felix seine junge Familie, ganz sicher aber seinen Land Rover. Land Rover hat die Produktion der Defender-Modelle in England eingestellt, das Camp stellt aktuell auf Toyota um, Felix ist bestürzt. Auch den Tieren ist es zu nass oder zu kalt, in den kommenden 3 Stunden sehen wir zwar viele Zebras, Antilopen, Gnus, Löwen in Quarantäne, zum Greifen nah auch Nashörner … die Elefanten u. Giraffen aber verstecken sich, haben ja auch die passende Größe dafür. Zurück in der Hütte gibt’s Heizdecken, nicht zu vergessen: wir sind in Südafrika. Am Morgen fahren wir wieder früh zu Pirsch, diesmal sind wir alleine mit Felix, die beiden anderen sind abgereist. Felix wartet am Land Rover u. hat eine Überraschung für uns: eine Wärmflasche! Aber es ist trocken u. es soll noch sehr warm, besser heiß werden. Nach einigen Kilometern fahren wir unerwartet in einer Rechtskurve geradeaus in den Busch -> die Lenkung ist gebrochen, das Lenkrad dreht funktionslos komplett durch. Ist aber auch echt hart, wie diese Kisten im Gelände rangenommen werden … gut für uns, dass es nicht 15 Minuten später bergab passiert ist! Ein Ersatzwagen wird per Funk bestellt u. kommt auch sehr zügig. Mit dem geht’s down-hill, über Stock wie Stein u. durch Flussläufe. Nach einigem Kreuz u. Quer stehen sie vor uns, Kerstins Lieblingstiere: die (3) Giraffen! Die sind erst erschrocken, dann aber neugierig u. kommen näher. Wir bauen den Klapptisch auf u. genießen Kaffee, Tee u. Keks vor einmaliger Kulisse. Die Elefanten aber bleiben versteckt … naja, zumindest die Kötel waren da. Wir haben keine Zeit mehr zu warten, müssen Richtung Kapstadt los. Bei der Abreise entdecken wir noch einen defekten Reifen, Radwechsel ist angesagt. Jetzt liegen 400 km vor uns: erst entlang der Küstenstraße, der Garden Route, dann im Landesinneren parallel zu mächtigen Gebirgsmassiven, die Dolomiten lassen grüßen. Beeindruckende Bilder – kurz vor Paarl säumen auch noch Paviane die Straße. Die aber wollen nicht nur spielen. Inzwischen sind diese gruppenweise so kultiviert, dass einige von ihnen auf dem Parkplatz ausgestiegene Fahrer von der Rückkehr zum Fahrzeug abhalten, während andere den PKW öffnen u. nach Essbaren durchsuchen. Demnächst vielleicht nach Wertgegenständen, Geld oder Kreditkarten. Was man auch häufig sieht, sind große Straußenfarmen – diese trotten gerne neugierig mit u. beobachten sehr genau mit ihren großen Augen. Afrikaans ist die gegenwärtigste Sprache in der Region, die holländischen Wurzeln sind unverkennbar -> auch bei vielen Städte- u. Straßennamen. Kerstin ist mit ihrem Plattdüütsch dicht dran u. versteht das eine oder andere. Insgesamt gibt es 11 offizielle südafrikanische Sprachen. Zurückversetzt nach Argentinien u. Chile sehen wir uns beim Anblick die vielen Townships, der Armenviertel. Meist entlang der Hauptrouten u. nicht selten in unmittelbarer Nähe zu hübschen Häusern u. tollen Villen. Diese sind entsprechend verbarrikadiert u. abgesichert. Es herrscht viel (schwarzer) Fußgängerverkehr auf den Hauptstraßen im Bereich der Townships – wedelnde Geldnoten signalisieren das Interesse am Mitfahren u. der Bereitschaft, sich an den Kosten zu beteiligen. Häufig sieht man sitzende Personen auf der Ladefläche von Lastern oder Pickups. Man ist unter sich, “Trennung liegt in der Luft”. Für uns etwas befremdend, für die meisten Beteiligten hier aber wohl normal, akzeptiert u. gelebt. Es gibt weiß, es gibt schwarz u. es gibt eine kleine Querschnittsmenge, das Bindeglied. Gut zu sehen ist, dass im Rahmen von Regierungsprogrammen viele improvisierte, schiefe Bretter- oder Wellblechhütten neuen Einheits-Betonhütten weichen. Der Umgang miteinander ist jedoch höflich, wenn meist auch distanziert. Häufig sieht man die Farbigen gut gelaunt, singend (manchmal auch tanzend) auf den Straßen, Plätzen u. am Strand. Der Umgang der Weißen untereinander – auch uns Fremden gegenüber – ist locker, hilfsbereit … fast schon kollegial. Abgesehen der Township-Bereiche, welche sehr groß sein können, meist auch sehr beengt u. dadurch strukturschwach sind, ist Südafrika gut organisiert u. beeindruckend sauber.

Einige erlebnisreiche Tage in der Natur u. in der Tierwelt liegen hinter uns, nun geht’s Richtung Atlantik in das Herz des südafrikanischen Weinbaus: Stellenbosch, Paarl u. Constantia. Wir freuen uns auf großen Namen der Branche u. das vielleicht noch eine oder andere Unbekannte …

IMG_2726 IMG_2713 IMG_2712 IMG_2704 IMG_2662 IMG_2682 IMG_2676IMG_2650 FullSizeRender IMG_2712 IMG_2749 IMG_2762 IMG_2766 IMG_2782 IMG_2779 IMG_2890 IMG_2894 IMG_2931 IMG_2932 IMG_2947 IMG_2961 IMG_2958 IMG_2967 IMG_2979 IMG_2978 IMG_2977 IMG_2980

*Bilder: Tsitsikamma Nationalpark m. Hängebrücke u. Wasserfall (5), Yoga unter Beobachtung: Rock Dassie (2), Juraki Park (2), Klettertour, JJ’s Flaschen-Decke, unsere Hütte im Gondwana Reserve, Elefanten-Kötel vor der Tür, Treffen in der Wildnis: nicht alle haben Spaß, extrovertiertes Nashorn, Safari-Camp (2), Frühstück m. Giraffen, Felix m. Defender u. Queen Mum, Hüttenausblick (2), Straußenfarm, Man@Work, Ankunft in Paarl (3), Glockenschlag zum ersten Wellington-Tasting.

Australien “2”: Melbourne, New South Wales, Sydney & Wein (24. Okt. – 29. Okt.)

Kerstin findet gefallen:

am Linksverkehr, wie an der Automatik …

IMG_2117

Melbourne hat gut 4 Mio. Einwohner, ebenso wie Sydney. Macht zusammen 8 Mio. u. damit mehr ein Drittel ganz Australiens. Und Australien ist groß, das erleben wir aktuell: etwa 4000 km breit u. fast genauso lang. Die Australier finden wir cool, sogar den Polizisten, der mich einige Tage später aus dem Verkehr fischen soll: nette Typen, alle. Frauen sind in Australien (auch Neuseeland) gerne sportlich gekleidet, farbige Synthetik-Sportwear u. teure Laufschuhe -> häufig wird „so“ aber nur die Freundin zum Kaffee getroffen oder der Hund ausgeführt … OK, der Hund könnte ja weglaufen. In Melbourne besuchen wir das Nationalmuseum. Interessant ist vor allem die Geschichte der Aborigines, ihnen wurde – wie anderen Ureinwohnern auch – viel Unrecht getan. Im Großen Krieg (1. WK) mussten sie darum kämpfen, kämpfen zu dürfen. Haben sich dann aber (u. a. in Gallipoli) als sehr tapfere Soldaten erwiesen, auch wenn kaum einer zurückkehrte. Zurück in die Neuzeit: danach geht’s entlang der Flusspromenade des Yarra’s – vorbei an dem architektonisch interessanten Federation Square – in den 88. Stock des Eureka-Towers, dort bekommen wir den Überblick … zumindest über Melbourne. Nach einem kurzen Abstecher mit der historischen Tram in die Docklands starten wir ins 250 km nördlich gelegene Beechworth. Dort entdecken wir jedoch erst bei Sonnenaufgang den Charme des kleinen Goldgräber-Städtchens. Und selten ist: man trifft fast nur Einheimische.

Aber es gibt auch Wein hier: los geht’s: wir fahren zur Pennyweight Winery, ein kleiner Familienbetrieb mit Bio-Weinen. Eilzabeth, die Senior-Winzerdame betreut uns, führt durchs Tasting u. zeigt uns auch noch die Produktion. Alles sehr urig u. einfach, aber durchdacht! Elizabeth hat noch einige wenige 2005er Cabernet Sauvignons u. tritt eine davon ab: der Tag fängt gut an! Ihre klare Ansage lautet „Dekandieren“, sie sollte Recht behalten, der Wein hat gut Depot = Weinstein, welcher separiert werden sollte. Eine weitere Besonderheit ist die Nutzung von Naturkork, das ist sehr selten in Australien u. Neuseeland. Früh stelle man die Produktion auf Schraubverschluss um, perfektionierte diesen u. schwört darauf. Auch Top-Weine haben meist den Schraubverschluss, da inzwischen entsprechende Alterungs-Erfahrungen vorliegen. Das gilt für Weiß- u. Rotweine, lediglich der Schaumwein wird verkorkt. Beindruckend zu sehen, ist auch das Holzfasslager von Pennyweight auf Naturboden: meist Barrique-Fässer (Eichenfässer mit 225 Liter Kapazität), neu u. gebraucht.

Am Rande: der „Holzausbau“ hat maßgeblich Einfluss auf den Wein. Reifezeit, neue oder gebrauchte Fässer, französische, amerikanische oder osteuropäische Eiche, mehr oder weniger geflammte Fassinnenhölzer, das alles zeigt sich im Wein wieder. Weltweit stehen französische Faßmacher mit Barriques aus deren heimischer Eiche hoch im Kurs. Der Holzfasseinsatz ist einer der vielen Möglichkeiten, die dem ambitionierten Winzer zur Verfügung stehen. Im Übrigen werden nicht nur Rotweine in Barrique ausgebaut bevor sie auf die Flasche kommen. Und: Australien ist ein weltweit wichtiger Weinplayer, rangiert auf Platz 5* (Produktionsmenge) direkt nach USA, vor Chile u. Argentinien. Gut für den deutschen Weinliebhaber: wir lieben die Vielfalt, zudem trinken wir weit mehr als in Deutschland hergestellt wird. *Dazwischen dürfte noch China angesiedelt sein, ist im globalen Weingeschäft (aktuell) jedoch weniger vertreten.

Anschließend besuchen wir noch die Amulet Winery, Quick-Tasting einiger (nicht uninteressanter) „Italiener“ wie Sangiovese (Chianti, Toskana) und Nebbiolo (Ursprung Piemont, z. B. Barolo). Wir entscheiden uns auf dem Weg Richtung Sydney für einen Abstecher nach Canberra. C. ist eine sehr junge Stadt, die nur 8 größte des Landes u. dennoch Hauptstadt Australiens (!) -> Hintergrund: Sydney u. Melbourne haben um den Hauptstadtstatus gestritten, Canberra entstand als Kompromiss geografisch zwischen beiden Städten. Wäre, als wenn wir in Deutschland Wittstock (Berlin <-> Hamburg) zur Hauptstadt machen würden. Canberra ist super aufgeräumt u. sauber, könnte die kleine Ausgabe von Washington sein. Da wir noch Strecke zu machen haben, starten wir am Nachmittag, besuchen aber auf dem Weg noch die Lake George Winery. Dort geht’s schnell, das Personal schien unter Druck … die Weine bleiben nicht wirklich in Erinnerung. Aber wir geben der Nachbarschaft eine Chance: Lerida Estate. Wir kommen ins Gespräch mit der Chefin. Ihr Mann arbeitete für Boston Consulting, kaufte dann das Weingut. Er ist Berater geblieben, hat die Ideen u. schmiedet Pläne … sie führt sie aus u. arbeitet 7 Tage die Woche. Das aber lohnt sich, insbesondere der weiße Chardonnay-Blend Armena bringt Spaß u. darf dafür auch mit. Die nächste längere Fahrt steht an: Newcastle an der Ostküste Australiens. Hier liegt auch die bekannte Weinregion Hunters Valley im Hinterland. Morgens noch einen Abstecher zum Strand (Shark-Area), die Sonne scheint u. die Surfer versuchen sich beim Wellenritt. Einmal mehr ist die Zeit zu kurz, wir fahren – nach kurzem Polizei-Intermezzo – ins Hunters Valley u. besuchen das Familienweingut Sandalyn-Wilderness. Das Winzerehepaar ist im Rentenalter u. sucht einen Nachfolger. Die Lage auf dem Hügel ist schön, der Wein ansprechend u. ein 2007er Sangiovese mit Reifenote geht mit. Das Weingut aber bleibt … in ihren Händen! Wir fahren anschließend zum Calais Estate, die Tasting Room Managerin hat alle Zeit der Welt, draußen hat inzwischen auch ein Unwetter eingesetzt. Wir probieren Chardonnay, Shiraz, Pinot Noir u. Blends: weitgehend mit Freude trinkbar, der eine oder andere könnte durch etwas mehr Reife gewinnen. Und wieder ist die Welt klein: ihre Tochter ist Winzerin, lebt mit ihrem englischen Mann (ebenfalls Winzer) in Frankreich u. arbeitet auf einem Bordeaux Chateau … jetzt kommt’s: ihr Ausbildungsweg führte sie auch nach Deutschland -> zum VDP (= deutsche Wein-Elite) Weingut Wittmann in Westhofen in Rheinhessen, dort ging ich einige Jahre zur Schule, kenne zudem Wittmann u. seine Weine.

Am Folgetag stehen die Blue Mountains auf den Plan, westlich von Sydney gelegen. Wir wandern viel, steigen unaufhörlich Treppen auf & ab, sehen den Wentworth Wasserfall, The Three Sisters u. Buschtäler soweit das Auge reicht -> ja, es war den Muskelkater des Folgetags wert! Den Tag danach gibt’s Lockerungsübungen beim Stadtgang in Sydney, dort sind wir inzwischen angekommen. Und zwar mitten drin -> der Hotelparkplatz war überfüllt u. wir mussten auf ein „Parkhaus“ in der Nähe ausweichen. Das bestand aus einem Tunnelsystem unter der Stadt: dunkel, schmutzig u. sehr eng. Dann ging‘s nicht mehr weiter, der Tunnel war verstopft. Angestellte kamen u. verlangten nach dem Autoschlüssel: Underground-Valet-Parking! Es gab kein zurück, übererdig ja auch keine Alternative … mit mulmigen Gefühl übergaben wir den Schlüssel, fürs Lesen der Mietwagen-Policy blieb keine Zeit. Aber die Zweifel schwanden, wir erkunden Sydney Downtown im Stechschritt, sehen die u. a. die Oper, erkunden den botanischen Garten u. überqueren die Harbour-Bridge. Am Abend geht’s noch ins historische Rocks-Viertel, das sollte in den Siebzigern weiteren Wolkenkratzern weichen … die Bauarbeiter-Gewerkschaft jedoch weigerte sich die Gebäude abzureißen u. so stehen sie noch heute. Respekt! Am späteren Abend sehen wir noch die Oper bei Vollmond, das ist ein Abschied.

Wir sagen Australien see you later, das ist hier das „Tschüss“, auch wenn’s kein later gibt. Wir werden sie vermissen, die Aussies mit ihrem here we go. Freuen uns aber auch auf die letzte große Station der Reise: Südafrika. Die müssen sich aber echt ins Zeug legen, das Rennen ist noch immer offen. Ohne Frage hat Südafrika das Potential zu überzeugen: die Garden Route, Kapstadt, große, wilde Tier u. Weine von Weltformat. We will see …

IMG_2349 IMG_2422 IMG_2377 IMG_2394 IMG_2412 IMG_2389 IMG_2388 IMG_2380 IMG_2357 IMG_2139 IMG_2002 IMG_2517 IMG_2508 IMG_2488 IMG_2485 IMG_2482 IMG_2569 IMG_2521 IMG_2322 IMG_2327 IMG_2329 IMG_2565 IMG_2553 IMG_2589 IMG_2525 IMG_2537 IMG_2530 FullSizeRender FullSizeRender (2)

*Bilder: Nostalgie in Beechworth, Town-Hall in Paaramata, Hauptstadt Canberra, Strand von Newcastle, Calais Estates in Hunters Valley, Chefin von Lerida Estates … beraten v. “Boston Consulting”, Blüten-Check: deutlich weiter als in Neuseeland, Trecker-Arbeit, Elizabeth v. Pennyweight, Barrique-Fässer aus Frankreich, Tasting: da geht er hin, der (häufig) gute Stoff, Blue Mountains National Park (5): Three Sisters, Busch-Blick, die Chinesen kopieren nicht nur … sie werden auch kopiert, urige Bäume, Buschpfad m. 900+ Stufen, Stadtplan: “Englisch” hilft nicht immer weiter, bei Dan Murphys: Dr. Loosen (Mosel-Weingut) ist überall, Melbourne (3): Federation Squaire, Eureka-Tower, Blick aus dem 88., Sydney (8): Steg-Eigentumswohnung m. Bootsparkplatz, Botanischer Garten, Fährhafen, Harbour-Bridge, Oberfläche der Oper = Kacheln (!), Oper bei Tag + bei Nacht, Sydney aus dem Jumbojet.

Australien: Südaustralien, Victoria & Wein (15. Okt. – 23. Okt.)

Don’t drink and drive …

IMG_2077

Mit Aufenthalt in Sydney fliegen wir nach Adelaide in Südaustralien. Beim Stop-Over in Sydney wird’s etwas hektisch: u. a wird Kerstin‘s Pass extra gescheckt, das aber scheint bei deutschen Pässen nicht ungewöhnlich zu sein. Dem 3,5 Std.-Flug folgt ein 2 Std. Inlandsflug. Beides mit Quantas, der australischen Airline mit Känguru auf dem Flieger. Das nahm der Pilot auch sehr ernst: zunächst kamen wir in Christchurch nicht nach oben, dann sind wir in Sydney im Känguru-Stil gelandet. In Christchurch hatten wir knapp 20 Grad, in Adelaide erwarteten uns 38 Grad. Auch ändert sich erneut die Uhrzeit. Der Australier (Aussie) ist dem Neuseeländer ähnlich … oder umgekehrt, vielleicht etwas hemdsärmeliger: sehr unkompliziert, geduldig ist super hilfsbereit! Es zeigt sich einmal mehr, ob in Kanada, USA, Neuseeland oder hier in down-under, dass kleine Gesten, wie ein kurzes Hi, ein respektierendes Nicken oder flüchtiges Lächeln schnell Atmosphäre schaffen u. für eine angenehme Stimmung sorgen. Tiefgründig oder nicht: es tut gut!

Nach kurzem Einchecken geht’s rein nach Adelaide, schnurstracks zur National Wine Academy. Ein modernes Gebäude mit beeindruckendem Weinkeller und 120 offenen Weinen zum Verkosten. Nach einem kleinen Querschnitt gibt’s im Garten nebenan noch die ersten Papageien zu sehen. Adelaide ist eher unspektakulär, hipp aber ist die Strandpromenade unweit des Hotels, da ist man bis spät in die Nacht auf den Beinen. Am Folgetag besuchen wir zunächst die naheliegende Weinregion Adelaide Hills, dort gibt’s – der kühleren Umgebung wegen – die uns bekannten Coole Climate Weine Riesling, Gewürztraminer, Sauvignon Blanc u. Pinot Noirs. Das gilt auch für benachbarten Clare- u. Eden Valley. In Adelaide Hills besuchen wir eines der Aushängeschilder des australischen Weins: Penfolds. Wir haben Glück u. erwischen den kurzen Slot im Jahr, der – da die Tage zuvor die neuen Jahrgänge veröffentlicht wurden – alle Penfolds Weine im Tasting zugängig macht: woowww! Wir nutzen die Gelegenheit, probieren die div. BINs (Penfolds-Weine) u. am Ende den vielleicht bekanntesten australischen Wein: den Grange. Dieser steht mit 780,00 australischen Dollar auf der Liste … da hat man nicht nur vorm Tropfen im Glas Respekt. Penfolds spricht vom Besitz der ältesten Shiraz-Reben in Australien, über 150 Jahre alt! Wir besuchen das Örtchen Hahndorf, gegründet von deutschen Protestanten. Das Deutschtum wird kommerziell hochgehalten, auch wenn die Bratwurst mehr dem Hotdog ähnelt. Überhaupt treffen wir in den Ländern auf große Anerkennung ggü. Deutschland u. den Deutschen, zum Glück hat sich zum Thema German Engineering der Flughafen in Berlin oder die Elbphilharmonie noch nicht bis hierhin rumgesprochen. Sehr präsent ist die aktuelle Haltung Deutschlands zur Flüchtlingsfrage, auch hier häufig Bewunderung im Umgang mit der Situation. Viele sind interessiert u. gut informiert zu diesem – nicht einfachen – Thema. Nach kurzem Abstecher zur Hahndorf Hills Winery starten wir ins berühmte Barossa Valley. Hier ist es heiß, die Hügel u. Täler erinnern an mein Rheinhessen, denkt man sich die Palmen weg. Barossa ist bekannt für seinen Rotwein, allen voran der Shiraz. So nennt sich der Wein, wenn fruchtig, körperbetont und i. d. R. alkoholstark ist. Der Syrah ist die gleiche Traube, der Stil jedoch etwas schlanker u. feiner. Hier steht die französische Rhone-Region Pate.

Wir übernachten erstmals in einer Cabin auf dem Campingplatz u. sind begeistert: sehr großzügig u. modern. Den Tag darauf sind wir kurz bei Penfolds, diesmal auf dem Gut in Barossa -> kurzes Tasting der Weißweine u. weiter geht’s. Wir kommen zufällig an einer kleineren, unscheinbaren Winery vorbei: Herritage. Hier sind wir alleine, kommen mit dem passionierten Winzer Steve nett ins Gespräch. Er ist einer von denen, die viel über das aktuelle Europa wissen u. sich gerne darüber austauschen. Er hat nur 4 Weine plus einen Port. Die 4 Weine sind prima, wenn auch die Ausstattung (= Aufmachung) Room for Improvement bietet. Aber es kommt ja bekanntermaßen auf den Inhalt an u. der gefällt: Shiraz, Cabernet S., u. ein Cuvee. Der vierte im Bunde ist ein trockener Semillon, eine französische Weißweintraube, die im Bordeaux weltbekannte edelsüße Weißweine hervor bringt. Die Weine zeigen eine schöne Balance u. Harmonie, sicher trägt auch die nette Stimmung – wie beim Wein nicht selten – zum Sonderpunkt bei -> der Semillon wandert in den Kofferraum, ebenso das Olivenöl. Leider ist Herritage für den Export zu klein … das wäre etwas fürs Wein-Trüffelschwein. Herritage vs. Penfolds, das steht für die Struktur des australischen Weingeschäfts, beides gehört dazu. Im Anschluss besuchen wir noch – entlang einer langen Palmenallee – Seppelfield, bekannt für seine Portweine, welchen auch unser Interesse gilt. Schon spannend, dass die verschiedenen Portweinstile unterschiedlichste Aromen- und Geschmacksvarianten hervorbringen. Der Alkoholgehalt liegt bei knapp 20% -> vereinfacht: der Wein wird in der Gärung gestoppt, dadurch verbleibt ein Teil des Zuckers = Süße, dann wird Destillat (Alkohol) zugeführt.

Den Tag danach starten wir in den Süden nach McLaren Valley, einer weiteren australischen Weingröße. Auch hier ist es heiß, verbunden jedoch mit den Meeresbrisen des nahegelegenen Pazifiks. Wir starten bei Rosemount Estate. Der Plausch ist nett, die Weine interessant: auch hier der Shiraz vollmundig. Eine kleine Kellerrunde noch, zum Abschluss gibt‘s – neben dem Cabernet Sauvignon – noch ein Rosemount-Cap, nach 2 Sonnenbränden ist Vorsicht angesagt. Wir fahren zu D’Arenberg, aufgrund der Mittagszeit u. des bekannten Restaurants auf dem Hügel sind wir hier nicht alleine. Im Tasting-Room nimmt sich (in aller Ruhe) Jane unserer an u. findet Gefallen an unserer Reise. Wir verkosten div. Weine, besonders gefällt ein Special, abgefüllt für ein Award-Event: ein 2008er Riesling. Ein sehr interessanter Wein, die für einen gereiften Riesling typischen Petrol-Noten sind unverkennbar. Ich darf eine Flasche davon haben. Wir entschließen uns noch für die Kay-Brothers. Der Tasting-Room ist wegen Umbaus in der Weinhalle improvisiert, hat aber Stil. Wir treffen auf Ruth, sehr nett, lustig u. kommunikativ. Sie versprach uns, dass wir schon bald Kängurus zu sehen bekommen … sie sollte Recht behalten! Danach fahren wir noch einige Stunden südwärts Richtung Robe am Pazifik, die nächste Cabin. In den Abendstunden sehen wir die ersten springenden Kängurus, groß wie klein hüpft im Sonnenuntergang davon. Aber man sieht auch viele „schlafende“ Kängurus entlang der Straßen. Kängurus sind einzeln betrachtet niedlich, in Massen für den Farmer jedoch ein echtes Problem … der Australier ist zwiegespalten.

Vom Pazifik geht’s am nächsten Morgen ins Landesinnere, ins Buschland. Dort liegt das bekannte Coonawarra, hier kommt Australiens bester Cabernet Sauvignon her, sagt man. Wir starten im Brands Laira Weingut, besonders der Cabernet Sauvignon fällt ins Auge u. auch in den Eingangskorb > dieser muss sich später noch dem Cabernet von Rosemount aus dem McLaren Valley stellen, spannend! Wir besichtigen einen alten, unberührten Keller: staubig, voller Spinnen u. vor allem alter Weinschätze. Wir dürfen alleine stöbern und finden u. a. Weine unseres Alters, Respekt! Von da geht’s zu Wynns, der ältesten Winery in Coonewarra: gute Shiraz u. Cabernet S.-Shiraz-Blends. Anschließend besuchen wir noch Balnaves, ein kleines Familienunternehmen -> Kerstin greift zunehmend ins Geschehen ein u. revidiert meine Wahl, folgt dem Tipp der englischen Dame aus Cambridge u. nimmt einen Rose mit auf den Weg. Sehr schön auch der Rosengarten von Balnaves, hier kann man mit dem gekauften Wein verweilen … leider fehlt die Zeit. Apropos Rosen & Wein: der genaue Beobachter sieht hier u. da Rosenstöcke am Anfang der Rebenzeile -> Hintergrund: die Rosen dienen als Frühwarnsystem für Mehltau. Zeigen sich Symptome an der Rose, kann der Weinstock noch behandelt werden. Und es sieht nebenbei noch schön aus. Der weitere Weg führt uns nach Mt. Gambier zum Blue Lake, einem Vulkansee mit blauem Wasser. Am Morgen besichtigen wir noch die Engelbrecht Grove, ein Höhlen- und Seensystem unter der Stadt – hierher kommen Höhlentaucher aus aller Welt. Danach fahren wir Richtung Süden, zurück zum Pazifik. Dort haben wir eine nette B&B Unterkunft im lauschigen Landhaus bei Ann u. Adrian. Beide sind Anfang des Jahres ihrem Berufs- u. Stadtleben in Melbourne entflohen u. betreiben gemeinsam die Pension mit großem Grundstück. Wir verlängern um eine weitere Nacht, die Stimmung ist gut, wir schalten einen Gang zurück u. sortieren uns neu. Von hier führt uns der Weg entlang der Great Ocean Road nach Melbourne. Und der Name ist Programm: der Bundesstaat Victoria bietet eine atemberaubende Küste u. punktet enorm für Australien -> die Bilder im Nachspann zeigen leider nur einen kl. Ausschnitt. Abseits der Route gibt’s zur Abwechslung mal ein Schokoladen- u. Cheese-Tasting. Auch gut! Ich erinnere mich an die Worte von George in Kalifornien: wer es im Leben gut haben möchte, spart nicht an der Frau.

Vieles ist interessant zu beobachten, so auch das Auftreten der chinesischen Kollegen, insbesondere in Gruppen: hektisch, lautstark u. unter Ellbogeneinsatz werden die Küstensehenswürdigkeiten erobert. Sodann wird quadratzentimeterweise fotografiert … Nachbau nicht ausgeschlossen. Auf dem Weg nach Melbourne machen wir einen Abstecher zum Cape Otway u. dem Lighthouse. Auf dem Weg durch die Eukalyptuswälder sehen wir die ersten Koalas, echt putzig, Klein-Koala auf dem Rücken. Das Bewegen geht in Zeitlupe, das Fressen der Blätter etwas schneller. Absterbende Waldgebiete sind Zeugen dafür, dass auch der vermeintliche Erfinder der Langsamkeit die Welt verändern u. zum Problem werden kann. Ein Reifenquietschen, wildes Türschlagen, lautstarkes Palaver u. erschrockene Koalas: der Chinese ist da. Kurz vor Melbourne sehen wir entlang der Küstenstraße noch Pelikane, bunte Papageien u. weiße Kakadus. Die Great Ocean Road zählt zu einer der schönsten Küstenrouten der Welt: wir widersprechen nicht! Melbourne erreichen wir in der Dunkelheit.

IMG_2241 IMG_2247 IMG_2239 IMG_2238 IMG_2232 IMG_2225 IMG_2216 IMG_2215 IMG_2204 IMG_2201 IMG_2191 IMG_2287 IMG_2283 IMG_2156 IMG_2178 IMG_2305 IMG_2176 IMG_2147 IMG_2131 IMG_2134 IMG_2127 IMG_2126 IMG_2085 IMG_2081 IMG_2069 IMG_2059 IMG_2055 IMG_2044 IMG_2049 IMG_2029

*Bilder: Great Ocean Road (11), Fressender Koala + Ergebnis (2), Känguru + Buschheimat (2), Kakadus, australischer Wald, Blue Lake, alte Reben, “Bahnhof” in Coonewarra, 1966er Wein: man beachte den Weinverlust “Angels Share”, Original Wine-Cellar v. Brands Laira, Jana u. Kerstin bei D’Arenberg, Kunst im Weinberg, Wein & Rosen, Palmen-Allee in Barossa, Steven bei Herritage, Penfolds m. Tasting-Room (2), Missverständnis in Sachen “deutsche Tradition”.

Neuseeland, Südinsel & Wein (09. Okt. – 15. Okt.)

Diane … eine Lady, die beeindruckte:

  IMG_1715

Mit der Fähre sind wir 4 Std. unterwegs, der Naturfilm geht weiter: wir schippern durch grünschattiertes Wasser u. sehen leuchtend, moosfarbene Fjorde. In Picton gibt’s einen neuen Wagen, diesmal nagelneu. Wir fahren direkt ins Zentrum des neuseeländischen Weinbaus: Marlborough. Auf dem Weg kommen wir an einem Schild Johannishof vorbei, sounds German … also U-Turn und hin zum Johannishof. Diesen betreibt Warwick mit seiner deutschen Geschäftspartnerin Edel Everling, aus Rüdesheim – beide haben in Geisenheim im Rheingau Weinbau studiert. Wir plauschen u. verkosten in familiärer Atmosphäre nebenbei seine Weißweine: „handgedrehter“ Chardonnay-Sekt, Pinot Gris = Grauburgunder, Gewürztraminer u. feinherber Riesling. Warwick’s Frau Rachel zeigt uns noch den von Minenarbeitern in den Fels gesprengten Weinkeller, den ersten seiner Art in Marlborough … darüber der Weinberg. Trotz der Kerzen ist es dunkel, kühl u. nass, ein etwas gespenstiger Kellergang. Hier reifen die Schaumweinflaschen u. werden in den Rüttelpulten handgedreht. Die Weine gefallen, der authentische, passionierte Auftritt ebenso.

Guter Dinge fahren wir weiter nach Blenheim inmitten von Marlborough. Dort haben wir eine nette B&B Unterkunft in direkter Nachbarschaft großer Weinnamen, unsere Landlady Diana ist eine liebenswerte alte Dame, die trotz ihrer Gehbehinderung eine beneidenswerte, positive Ausstrahlung hat u. sich auch nichts abnehmen lässt. Das Haus aber steht zum Verkauf. Auf Rädern geht’s auf Erkundungstour, schön Helmchen auf, das ist hier Pflicht. Vielleicht ist der eine oder andere ja nach der Weinprobe schon vom Rad gefallen. In Marlborough sieht man Weinberge soweit das Auge reicht, umrahmt von massiven Gebirgszügen. Ausnahmslos sind die Weinberge (Vineyards) in einem supergepflegten Zustand, ob kleine Family Winery oder großes Wine Estate.

Am Abend sind wir bei Hans Herzog, er entstammt einer Schweizer Winzerfamilie u. betreibt hier seit vielen Jahren erfolgreich seinen eigenen Weinbau. Klasse ist der 2005er Spirit of Marlborough, ein French-Style-Blend. Am Morgen besuchen wir das Aviation Center in der Nähe, ein sehr modernes Museum zum Thema Fliegerei im Großen Krieg = 1. Weltkrieg. Als wir ankamen, startete gerade ein Fokker Dreidecker, den (ähnlich) auch der Rote Baron Manfred v. Richthofen geflogen hat. Er wird – obwohl Feind – in der Ausstellung sehr geehrt. Auch Gallipoli wird (wie im Museum in Wellington) ausgiebig behandelt, dort wurde im Bereich der heutigen Türkei ein neuseeländisches Korps fast vollständig aufgerieben – das war vor 100 Jahren. Von da geht es zu Wither Hills, ein eindrucksvoller Millionenbau, der auch von den Royals schon besucht wurde. Der Tasting-Guide ist Ravinder, ein indischer Sikh -> viele junge Weinstudierende sind auf Welttour, ob Francois bei Hans Herzog oder die nette Italienerin bei Schubert. Einer der Pinot Noirs ist ansprechend, ebenso der Sauvignon Blanc, der für als Präsent für Diana mitgeht. Interessant, wie die Lagen sich auf den Wein auswirken – hier am Bsp. Pinot Noir = Spätburgunder, beide aus Marlborough. Am kommenden Tag geht’s zu Giessen, 3 deutschen Brüdern aus der Pfalz. Das Tasting ist etwas hektisch, da hier einige Leute ein- u. ausgehen. Der Sauvignon Blanc ist Marlborough-typisch, ebenso gefallen der Pinot Noir u. Pinot Gris. On Top gibt’s eine super leckere „Schlacht-Platte“, nur der Saumagen fehlt. Da die renommierte Cloudy Bay Winery schon geschlossen hat, besuchen wir einen der Marlborough-Pioniere: Allan Scott. Last Minute, quick Tasting -> der Pinot N. ist im Sack. Auf dem Weg nach Nelson geht’s am Folgetag noch zum Weinmuseum in Blenheim u. zu Cloudy Bay, einem der Namen in Neuseeland. Wir sind zu Anfang alleine u. genießen die volle Aufmerksamkeit, die div. Sauvignon Blanc Linien u. (Kerstin) auch den Garten.

Die nächste Bergtour steht an, Kerstin inzwischen weit ruhiger, greift nur noch in Risikosituationen, z. B. falsche Spur ein … das aber massiv u. lautstark! Auf dem Weg sehen wir einen ca. 1km langen Weidezaun mit aufgetragenen Schuhen: Pilgerstätte der Backpacker? Am Abend erklimmen wir noch den Nelson Hill u. stehen in der Mitte Neuseelands. Morgens starten wir früh in den Abel Tasman Nationalpark, verfahren uns dank GPS u. verpassen das Wassertaxi, das nur einmal täglich fährt. Gefrustet muss die Neudorf Winery dran glauben, gekauft wird nur ein Buch. Danach aber gibt ein nettes Tasting von Organic Wines bei Te Mania Auf dem Weg zurück besuchen wir den Rabbit-Island, toller Strand. Den Tag danach starten wir einen 2. Versuch nach Alben Tasman, wir bekommen das Wassertaxi u. erleben einen tollen Wandertag im Nationalpark: entlang der atemberaubenden Küste u. über Hängebrücken, unter denen Delfine (oder waren’s doch springende Robben) spielen. Gegen Abend geht’s noch gut 250km nach Westport am Tasmanischen Meer … und das ist über die Berge gefühlt sehr weit. Dafür gibt’s dank Jan, unserer Landlady nebenan noch ein leckeres Steak auf heißem Stein. Mit Jan (Engländerin) u. Ian (Schotte) haben wir wieder sehr aufgeschlossene B&B Vermieter, ihre Kinder leben in Australien. Das ist wohl ein generelles Problem der Südinsel, das Geld bleibt mehr auf der Nordinsel u. von der schönen Natur allein kann man nicht leben. Das erklärt auch, warum viele Häuser FOR SALE sind. Auf dem Weg von der West- zur Ostküste fahren wir noch entlang der Tasman-Coast zu den Pancake Rocks: unglaubliche Felsformationen, das unruhige Meer verfängt sich spritzt bis ganz oben. Wir entdecken Robben u. auch Kiwis, das aber ist leider ein Irrtum: die tun zwar wichtig u. können auch nicht fliegen, halten aber dem zweiten Blick nicht Stand. Schade! Von da geht’s einige Stunden über den Arthur’s Pass vom Tasman Sea zum Pazifik nach Christchurch. Nach kurzer Nachtfahrt durch Christchurch haben wir noch ein paar Stunden im Hotel. Um 03.30 geht der Wecker, down-under ruft.

Im Übrigen hat’s die Südinsel geschafft, die Nordinsel noch zu schlagen … in der Kombination aber ist Neuseeland (bislang) einmalig. SORRY Hawaii!

„Men-Special“, Cars in Neuseeland + Australien: Man(n) fährt viel Pick-Up, hier u. da auch VW’s Amarok. Beherrscht wird der Markt – neben der GM-Marke Holden (u. a. ein cooler, schlanker, tiefer 2-Sitzer Pick-Up mit V8 Motor) – stark von den Asiaten: Toyota, Nissan, Mazda u. Hyundai. Zu Zeiten meiner VW- Group Zuständigkeit habe ich mich häufig gefragt, wie Toyota weltweit # 1 sein kann (?) … in all den Ländern unserer bisherigen Reise gab’s die Antwort. Nur in Argentinien hatten wir einen Fiat -> und den mussten wir anschieben.

IMG_1973 IMG_1949 IMG_1919 IMG_1908 IMG_1832 IMG_1786 IMG_1781 IMG_1705 IMG_1662 IMG_1778 IMG_1749 IMG_1733 IMG_1732 IMG_1686 IMG_1723 IMG_1741 IMG_1819 IMG_1817 IMG_1694 IMG_1691 IMG_1684 IMG_1647 IMG_1671 IMG_1738 IMG_1762 IMG_1784

*Bilder: Eindrücke v. Tasman Sea, Pazifik, Abel Tasman NP u. Arthur’s Pass (10), Interessantes Reben-Erziehungssystem, auch gesehen: Orangen & Zitronen, Kerstin auf dem geograf. Mittelpunkt Neuseelands, Hans Herzog Winery, Cloudy Bay Tasting Room, Ravinder: Sikh + Weinliebhaber, Museums-Sonderthema, hier sorgt der Mann noch selbst fürs Abendessen, Hängebrücke im Abel Tasman NP, allgegenwärtiges Farnblatt, Kerstins Thema: Upcycling aus Weinfassholz, moderne Stahltankanlage, Wither Hills Estate, Warwick v. Johannishof, Fokker kurz vorm Start, Schuh-Meile, Frühjahrslämmer, “führender Burger” des begleitenden Burger-Landescontests -> 100% Beef, kein Lamm!!!

Tipp, nicht nur für Burger-Interessierte: Bilder lassen sich durch Doppelklick vergrößern.

Neuseeland, Nordinsel & Wein (03. Okt. – 09. Okt.)

Hier gibt’s nicht nur schwarze Schafe

… und man beachte die Wasserfarbe:

IMG_1549

Neuseeland, Nordinsel & Wein (03. Okt. – 09. Okt.)

Wir landen nach 13,5 Std. überm Pazifik in Auckland, Neuseeland, nachts um 04.00 Uhr, die Zeitverschiebung beträgt diesmal 16 Std., Körper u. Geist bekommen das zu spüren. Es geht kurz ins Flughafenhotel, dann startet die Reise bei den Kiwis. Der Name kommt im Übrigen nicht von der Frucht, vielmehr stand der Vogel Pate. Der passt prima zu den Neuseeländern: sie lieben ihr Land u. wollen nicht weg, der Kiwi kann eh nicht fliegen – zudem sieht er etwas ulkig aus -> der Neuseeländer kann auch gut (und gerne) über sich selbst lachen. Neuseeland steht derzeit Kopf: ihr Rugby Team All Blacks spielt derzeit in London als Titelverteidiger um die Weltmeisterschaft … hierzu werden wir von Florian aus den Pubs in London quasi live informiert u. können hier vor Ort mitreden.

Jetzt aber volle Konzentration: wir sitzen rechts u. fahren links! Nachdem wir uns Auckland angeschaut haben, geht’s über die Berge zur Ostküste … für Kerstin (linkssitzend) ein Höllentrip: endlose, z. T. ungesicherte Serpentinenstraßen, Kerstin immer am Abgrund. Permanent versucht sie zu bremsen, div. Aufschreie machen das Radioprogramm hinfällig. Wir beschließen, ihr im nächsten Spielzeugladen ein eigenes Lenkrad zu kaufen. Bin gespannt, was Avis zum Fußabdruck Größe 38 im Bodenblech sagen wird?! Wir fangen an die Liste von Karoline, Antje u. Frank in wichtigen Punkten abzuarbeiten, los geht’s mit dem Hot Water Beach u. der Cathetral Cove. Die Natur ist atemberaubend: ein bisschen Irland, Cornwall, Schottland, eine Brise Norwegen plus ein Schuss Österreich und ja, streckenweise Colorado. Der Neuseeländer ist eine Mischung aus Engländer = freundlich, höflich und Amerikaner = locker, unkompliziert, hier hat man Spaß! Es gibt auch nur 4,5 Mio. Neuseeländer, 3,5 davon leben auf der Nordinsel. Die meisten Orte sind in maorischer Sprache, das ist ähnlich anders u. unaussprechlich wie friesisch. Die Maoris haben polynesische Züge u. erinnern an Hawaiianer.

Der westliche Kulturkreis hat uns wieder … auch das Navi ist zurück im Spiel u. macht seinen Job. Nach dem Begrüßungsregen in der Ankunftsnacht ist es warm, soll aber noch wärmer werden. Die Mission ruft: wir besuchen noch an Tag 1 die erste Winery: die bekannte Villa Maria in Auckland. Der Sauvignon Blanc ist arttypisch rassig, zeigt Gras- u. Kräuternoten: ist gekauft. Die Trauben kommen weitgehend aus dem Süden: Hawks Bay, Martinborough u. Marlborough -> heißt für uns: hin zu den Weinbergen …

Wir fahren nach Tauranga, einer kleinen Stadt am Pazifik. Ankunft am späteren Abend bei David u. Tatjana (Russin) in ihrem High-Tech-Haus. Nach einem leckererem English-Breakfast am Morgen laufen wir noch zu Fuß um den Maunganui Hill, dann ruft die Arbeit: Mills Reef Winery. Wir sind (mal wieder) alleine u. treffen dort auf Andrew, den Sales Manager. Andrew’s Eltern kommen aus Plön, daher spricht Drew deutsch.

Wir wählen einen Zwischenstopp am Lake Taupo, einem See der Größe Singapurs. Das Wasser hat eine tolle, grünschimmernde Farbe u. ist sehr klar. Die B&B Unterkunft von Andy (Kiwi born) & Leanne (Engländerin, in Simbabwe aufgewachsen) ist sehr nett, liegt auf dem Hügel mit Blick auf den See u. schneebedeckte Berge. Wir bekommen ihre Räder, starten eine kleine Tour zum See u. verfahren uns in der Dunkelheit prompt. Kommenden Morgen machen wir eine Bootstour auf dem See, hin zu Maori-Kultstätten. Leider haben wir keinen Tag über u. müssen danach weiter. Nächste Station sind die Huka Falls: der Fluss wird so eingeengt, dass das Wasser mit irrem Druck über den Vorsprung schießt: 200.000 Liter pro Sekunde! Mit ähnlichen Druck geht’s für uns – erneut über die Berge – nach Napier an der Ost-Pazifikküste: ein weiterer Fußabdruck in Größe 38. Napier, in den Dreißigern durch ein Erdbeben zerstört, danach im Art-Deko-Stil neu aufgebaut.

Wir sind erneut überwältigt von der Natur: verschiedengrüne Hügel & Täler, Schluchten, Wasserfälle, bunte Pflanzen, urige Bäume u. einmalige Küstenstreifen. Das alles lenkt natürlich nicht vom Kernthema ab: richtig, der Wein. Wir besuchen das Weingut Church-Road, tolles Upcycling-Gebäude, für mich durchschnittlicher Wein. Hawks Bay ist die wärmste neuseeländische Weinregion, daher findet man hier auch viel sonnenverliebte Rotweine wie Cabernet S., Syrah oder Merlot. Wir besuchen die kleinere Brookfields Winery: kleine Mengen, die aber in Top-Restaurants, z. B. in London anzutreffen sind. Hier die Daumen hoch, besonders der Syrah u. die Bordeaux-Stil-Blends (rechts u. links der Gironde) bringen Spaß. Wir packen noch die Mission Winery mit rein: gut so. Die alte Missions-Anlage ist die älteste Winery Neuseelands, man hat vom Erdbeben bis hin zu Brand schon alles mitgemacht. Neben dem einen oder anderen Wein auch interessant: das Weingut gehört der katholischen Kirche, der CEO ist quasi der Papst! Und: im Garten treffen wir Andrew von Mills Reef wieder, ist die Welt nicht klein? Hawks-Bay ist damit abgehakt, es geht nach Martinborough. Einen kurzen Abstecher noch zum Cape Kidnappers, hier stürzen sich im Dezember die Tölpel von den Klippen. Im Dunkeln u. bei Sturm finden wir unser Cottage in Martinbrough … am nächsten Morgen aber entdecken wir, wie nett es hier ist. Viel zu schade für eine kurze Nacht. Am Morgen fahren wir zur Schubert Winery: die Schuberts sind in den Neunzigern ausgewandert. Eine junge Italienerin, zuständig für Marketing u. Verkauf steht Rede & Antwort. Das Tasting ist kurzweilig, der Sauvignon Blanc typisch, der Chardonanny (in Eiche ausgebaut = oaked) füllig u. schmelzig. Besonders gefällt der gereifte Bordeaux Verschnitt, der geht am Ende auch mit. Zum Schluss noch eine kurze Stippvisite bei Martinborough Vineyards, hier steht der Pinot Noir im Fokus. Da es in dieser Region schon etwas kühler ist, sind neben Pinot Noir die Sauvignon Blanc Weine vordergründig. Wie für Chile u. Argentinien gilt auch hier, im Süden wird’s kühler (!) … wir sind auf der anderen Seite des Äquators.

Im Anschluss fahren wir nach Wellington, der neuseeländischen Hauptstadt im Süden der Nordinsel, nette Stadt mit (u. a.) einem supermodernen Nationalmuseum. Unser B&B liegt direkt an der Waterfront, tolle Eindrücke beim Frühstück. Es ist jedoch sehr früh, unser Landlord Ben (ca. 70) steht für uns auf u. macht ein sicher nicht kalorienfreies English-Breakfast. Auf der Fähre werden wir überaschenderweise zur Lounge gebeten, dank Ben können wir das kulinarische Programm jedoch kaum nutzen, der Internet-Voucher aber ist klasse. Es folgt eine 4-stündige Fährfahrt zur Südinsel, die Bilder sprechen einmal mehr für sich. Jetzt gilt’s: Nord- oder Südinsel? Die Messlatte liegt hoch.

IMG_1470 IMG_1636 IMG_1631 IMG_1602 IMG_1625 IMG_1553 IMG_1503 IMG_1481 IMG_1492 IMG_1485 IMG_1623 IMG_1604 IMG_1587 IMG_1576 IMG_1573 IMG_1497 IMG_1473 IMG_1458 IMG_1463 IMG_1446 IMG_1617 IMG_1595 IMG_1508 IMG_1537 IMG_1548 IMG_1638 IMG_1434 220px-Kiwi_sign[1]

*Bilder: Neuseeland, u. a. Hot Water Beach, Cathetral Cove, Maunganui Hill, Huka Falls, Cape Kidnappers u. immer wieder Wasserfälle (10), Weinberge, Strandbehausung, Church Road Winery, Strongman 2016: Übersee-Training, Beach-Joga, Andrew b. Mills Reef, im Dschungel (2), Asterix u. sein Stein, “echter” Linksfahrer, Schubert’s Winery, Brookfields Winery: Bordeaux Blends (rechts u. links der Gironde**), Art “Palmen-Farn”: überall zu sehen -> auch Symbol auf Flaggen, z. B. All Blacks, alte Maori-Stätte, Lake Taupo, Frühstück b. Ben, Möwe m. Vorfahrt, der Kiwi.

** Bordeaux: links der Gironde (z. B. Medoc) = Cabernet Sauvignon lastig, rechts der Gironde (z. B. Pomerol) = Merlot lastig.

Argentinien & Wein (27. Sept. – 01. Okt.)

auf den Spuren der Inkas:

IMG_1354

Über die Anden geht‘s nach Mendoza, dem argentinischen Weinmekka. Eigentlich nur ein kurzer Start-Lande-Flug, über den Gipfeln aber schüttelt‘s uns ganz schön … alle bleiben ruhig, es scheint dazu zu gehören. Die Anden sind mächtig: 7.500 km lang, der höchste Berg Aconcagua hat 6.962 Meter u. ist der höchste Berg außerhalb Asiens … jedoch nur Nummer 188 der Welt, da es in Asien 187 höhere gibt. Zum Vergleich: die Zugspitze hat gerade mal 2.962 Meter. Waren wir eben noch westlich der Anden, sind wir jetzt auf etwa gleichem Breitengrad im Osten.

Mit dem kleinen Fiat fahren wir guter Dinge los, der rührige Mietwagen-Mitarbeiter war so nett u. hat das GPS bereits eingestellt. Dumm nur, dass am Ziel weit und breit keine B&B Farm zu sehen ist. Es war heiß, der Tank nahm rapide ab, das GPS führte uns – mal wieder – über Schotterpisten im Kreis. Wir haben kein Wasser mehr, kein Bargeld (der HSBC Automat am Flughafen wollte nicht), daher bekamen wir auch kein Benzin, denn die Kreditkarte wurde auch an der Tankstelle nicht akzeptiert … schlechtes Omen: doch das verlorene Endspiel?! Langsam wurde guter Rat teuer! Also Prioritäten setzen: Geld, Tanken, Unterkunft. Mit Hilfe eines Einheimischen finden wir eine willige Santander Bank, jetzt gibt’s auch Benzin u. Wasser gleich dazu. Hochmotiviert fahren wir eine erneute Runde u. finden über einen unbefestigten Weg die Finca … wir waren ganz zu Anfang ca. 200 m zuvor abgebogen, Ansage des Navis! Jetzt spätestens wissen wir, warum man in Argentinien nicht Adressen sondern Koordinaten an- u. eingibt. Doch die Unterkunft ist urig, eine renovierte Finca, die von Hans – einem ausgewanderten Belgier – betrieben wird. Hans ist ein Tausendsasa, nicht nur Sprachen betreffend: er hat 2 Weinberge, bietet B&B, rührt hier, rührt da u. kocht auf Wunsch am Abend. Überhaupt treffen wir die nächsten Tage viele Auswanderer, besonders aus Italien. Aber man scheint viel unter sich zu sein, der Argentinier bleibt außen vor … oder auch umgekehrt. Das schränkt auch unseren Kontakt zu den „echten“ Argentiniern ein.

Vieles ist zum Vergleich mit Chile sehr ähnlich, einiges doch anders: zum einen der Verkehr, die Autos hier sind zum Teil echte Kuriositäten auf Rädern, wenig ist original, vieles sitzt locker: TÜV = Fehlanzeige. Auf den Mopeds fahren ganze Familien, Vater fährt, Mutter sitzt hinten u. dazwischen 2 Kleinkinder, ohne Helm versteht sich. Die Argentinier in dieser Region sind sichtlich Nachfahren der Inkas, das fiel in Chile weniger deutlich auf. Auch diesseits der Anden gibt es viele arme Viertel, ebenso die Straßenhunde. Auffällig ist der Müll entlang der Straßen, inner- wie außerorts. Annahme: der Müll wird in Säcken an die Straße gestellt, dann gehen nachts die Hunde ran u. um den verteilten Müll kümmert sich niemand mehr. Die Chilenen hatten dieses Problem mit auf ca. 1,5m hohen Stäben montierten Metallkörben gelöst.

Von argentinischer Seite aus sind die Anden noch grandioser: awesome, Weinberge am Fuße eines knapp Siebentausenders. Die Argentinier erheben keine Autobahngebühr, die Anzahl der Tausend u. mehr Autobahnhäuschenangestellten fällt weg, die Arbeitslosenquote in Argentinien ist daher bestimmt höher … die Wirtschaftskraft sichtlich geringer. Einen Tag fahren wir in die Berge, zeitweise die Hauptroute über die Anden nach Chile, wieder jagen uns die LKWs. Es wird dicht aufgefahren, gehupt, was die Karre hergibt u. unpassend überholt. Wir haben gelernt zu beobachten u. uns anzupassen, es gilt nicht aufzufallen. Wobei Hans sagte, dass nach dem Hupen, dem Gestikulieren u. dem Anschreien, der Argentinier am Ende doch nicht aussteigt: also kein Show-down.

Bevor es zum erwarteten Thema geht, noch kurz die Antwort auf die Frage der Stammleser u. Detailbeobachter: ja, ich (Uwe) war in Chile beim Friseur, möchte auch auf der anderen Seite der Los Andes eine gute Figur machen.

Argentinien & Wein: was für Chile der Carmenere ist, ist für Argentinien der Malbec, ob reinsortig oder im Blend: gut gemacht, mein Ding. Kerstin hält die Weißwein-Fahne hoch u. entdeckt den Torrontes für sich. Ansonsten treffen wir auf die internationalen Reben wie zuvor. Wir besuchen mit dem Rad (und damit beginnt spätestens der Urlaub auch für Kerstin) Carinae, eine kleines Weingut des Franzosen Phillipe: nett u. ansprechend. Am nächsten Morgen fahren wir auf den Rädern zu Trapiche, dem größten argentinischen Winemaker. Wir treffen bei der Tour zwei Amerikanerinnen: Leslie u. Mum Leslie (Namen leider vergessen) und schon wird’s lustig: die beiden tasten nicht, sie trinken … mit Genuss. Leslie macht dem Guide nach Verabschiedung der anderen noch eine Flasche Sauvignon Blanc abspenstig, die gibt’s auf der Sonnenterasse. Die Wege trennen sich, die US Damen wollen noch in den Biergarten u. wir finden ggü. ein kleines Restaurant (Italiener) mit Hostelbetrieb im alten Weingut. Wir sind die einzigen Gäste, bekommen eine Tour u. ein prima Mittagessen. BTW. Man schläft im Hostel in den ehemaligen Weinbetontanks. Betontanks sind hier auch in den neuen Anlagen, neben Stahl u. Holz, sehr gängig. Auf den Tipp der Italienerin hin fahren wir zu Mevi, eine Boutique-Winery. Wir schließen uns 5 Südamerikanern an u. machen mit dem Chef Guiseppe die Tour auf Spanisch mit: klappt prima, man weiß ja schon das eine oder andere. Guiseppe lebt Wein, die Führung ist super interessant u. sehr authentisch. Als die anderen sind bereits weg, bekommen wir wortlos noch sein Iconos zum Probieren: klasse! Was drin ist, bleibt ein Geheimnis, Guiseppe ist schon nicht mehr da. Das Radfahren ist in jeder Hinsicht schweißtreibend: es ist heiß, man fährt bei argentinischem Verkehr auf engen Krater-Straßen u. Beleuchtungen sind verpönt.

Den Tag danach fahren wir zu Kaiken, dem argentinischen Ableger von Montes in Chile: wir kommen rein, die Führung ist exklusiv u. führt auch hier mystisch – in Begleitung von Kirchenmusik – durch nur schwach beleuchtete Barrique-Kellerräume. Auch das Tasting in Dreierrunde ist interessant … der Stop hat sich gelohnt. Von da geht’s ins Tupungato Tal, leider braucht’s länger u. bei Andaluna u. Salentein stehen wir selbstbewusstem Wachpersonal gegenüber. Argentinien ist noch vor Chile Nummer 5 der weinproduzierenden Länder, es gibt viele kleine, passionierte Weingüter, viele große, die Qualität in versch. Kategorien bieten u. natürlich auch viel industriell hergestellte Massenweine, die man sich schöntrinken muss. Argentinien hat die mit am höchsten gelegen Weinberge – interessant ist auch das System der Beflutungskanäle, welches sich von den Flüssen bis hin in die Weinberge verzweigt. Auf dem Weg zum Flughafen machen wir einen Abstecher bei Agostino, mit 2 netten Brasilianern machen wir eine Tour, spanisch natürlich. Die vier Brüder (Italo-Argentinier) haben ihr Geld in Kanada gemacht u. mit einer 30 Mio. USD Investition in Agostino den Traum ihres Großvaters realisiert … das nennt man Andenken! Wir werden vom Hagel überrascht u. müssen uns in Sicherheit bringen, Hagel um diese Zeit ist untypisch u. sorgt für Unruhe auf der Bodega. Dem fällt leider auch das Essen bei Cecchin zum Opfer -> wir müssen direkt zum Flughafen. Inzwischen sind es bestimmt 20 Worte auf Spanisch, puuhhh: zum Überleben u. Spaß haben hat’s gereicht.

Zunächst war die Airline LAN (wir haben ein OneWorld-Ticket) in Mendoza etwas desorganisiert … nachdem wir aber nach vierstündigen Zwischenaufenthalt in Santiago an Bord der neuen Boing 787 = Dreamliner als „OneWorld Gäste“ über die Anlage begrüßt werden, ist alles vergessen, wir sind doch Freunde! Trotzdem: 2018 gewinnen wir wieder!

Ich vergaß: der Chardonnay an Bord der LAN 801 war um ein Plus besser als bei British Airways u. American Airlines, passte auch gut zum Lachs … mal nicht Chicken or Pasta.

Jetzt geht’s zu den Kiwis, vergessen wir die spanisch Hürden von gestern u. konzentrieren uns auf den Linksverkehr in Neuseeland. Es bleibt spannend … freuen wir uns darauf!

IMG_1415 IMG_1268 IMG_1271 IMG_1307 IMG_1313 IMG_1336 IMG_1347 IMG_1362 IMG_1344 IMG_1402 IMG_1404 IMG_1412 IMG_1413 IMG_1278 IMG_1300 IMG_1334 IMG_1253 IMG_1242 IMG_1244 IMG_1295 IMG_1372

*Bilder: über den Anden, Guiseppe b. Mevi: klasse Führung, Kerstin beim Öchsle-Grad-Messen, Schatzkammer f. Vertikalverkostung = Vergleich eines Weins versch. Jahrgänge b. Kaiken, Kaiken: Tasting, Anden (2), “Lamas” v. Puma gerissen?, Gedenkstätte an d. Straße, Barrique Keller v. Agostino, Hagelkörner, Tasting m. Brasilianern, Tasting-Reihenfolge: Auge > Nase > Mund, Iconos-Secret b. Mevi, Bewässerungsgräben, GPS-Alternative: Tagestourbeschreibung v. Hans, Glasboden v. Trapiche, Blog-Arbeit, Kerstin u. “ihr” Rad, Räder unauffällig > bunte Turnschuhe schon, Landrover-Pulling: Grüße ans SCI TRX Team.

Chile, Santiago de Chile & Wein, USA (21. – 27. Sept.)

SORRY, das Internet funktioniert hier nicht wirklich, ist langsam, bricht immer wieder ab u. Bilder werden nur mit Glück geladen. Wer’s glaubt: das sei seit dem Erdbeben so?! Was das Erdbeben (z. B. 2010) aber wirklich verursacht hat … ein Wein-Stahltank von Balduzzi:

IMG_1072

Mit einem kurzem Stop-Over in Dallas, Texas fliegen wir nach Santiago de Chile, die reine Flugzeit: 13 Stunden. Der Wein von American Airlines ist leider nicht besser als der von British Airways, wir hätten besser etwas im Duty-Free Shop gekauft, selbst ist der Gast! In Santiago wurde schnell klar, dass mit English kein Blumentopf zu gewinnen ist. Ein weiteres Problem: von den 3 Gepäckstücken sind nur 2 angekommen … das Allerschlimmste aber kommt noch: im fehlenden Bag ist das TRX. Das bedeutet, die nächsten Tage kein Sport! Wäre es doch nur die Zahnbürste gewesen. Es folgt eine Mietwagenübergabe, die bis heute viele Fragen offen lässt -> und „schon“ geht’s in den Süden nach Maule, unserer ersten Region. Das Navi versagt gleich nach dem Flughafen seine Dienste, nach vielen Kilometern in die falsche Richtung navigieren wir via Karte. Wir fahren die Routa 5, sehen viele Händler, Radfahrer und Fußgänger auf der Autobahn entlang der grandiosen, tlw. schneebedeckten Anden. Das Navi versucht sich zeitweise einzubringen, kurioserweise sehen wir eine Ansammlung von Flugzeugen auf der Karte. Angekommen in Talca navigiert es uns auf Schotterpisten durch Favelas und meint, wir sind am Ziel angekommen. Die Schlaglöcher sind so groß, dass man sich kaum vor oder zurück traut, das Navi ist sich seiner Sache sicher und sagt: weiter. Hilfreiche Schilder sind Fehlanzeige, Hunde streunen ums Fahrzeug und einige Augen beobachten uns … der christliche Glaube kehrt zurück: bitte nicht hier! Ansatzweises Fragen mündet in verständnislosem Kopfschütteln. Wir verlassen das Viertel und finden einen englischsprachigen Chilenen, der uns zur Pension begleitet. Ein Stein fällt uns vom Herzen, hier ist es schön. Auch in den nächsten Tagen sehen wir viele einfachste Behausungen rechts und links der Straßen, scheinbar viele Landarbeiter, die hier mit ihren Familien wohnen … wir vermeiden diese Art Bilder, möchten die Leute u. ihre Unterkünfte nicht vorführen. Aber es gibt auch das moderne, schicke Chile, das sich entsprechend abschottet. Und es gibt Hunde, überall Hunde. Diese leben frei in den Dörfern und Städten, häufig in Gruppen. Interessant ist, das diese sehr zurückhaltend, fast höflich, Teil der Gesellschaft sind – die Hunde gehören dazu, sind nicht ungepflegt, verstehen das Verkehrssystem und freuen sich über das, was sie finden oder das, was man ihnen gibt. Kot findet man fast nicht, dieser wird durch einen der vielen kommunalen Mainzelmännchen schnell entsorgt. Überhaupt gibt es viele öffentliche Angestellte: viel Caribineros, in den Verwaltungen u. auf den Straßen, ebenso in den hunderten Autobahngebührenhäuschen oder als lebende Parkuhr.

Die Chilenen sind sehr nett, hilfsbereit u. entspannt … gemeinsam finden wir Freude am Improvisieren. Man bestellt etwas, macht möglichst gute Miene zu dem was kommt u. sagt am Ende „perfecto“, schon ist die Welt in Ordnung. Auch lieben die Chilenen Flaggen, man steht den USA u. Schweden um nichts nach. Des Weiteren geht man spät am Abend essen, um 21.00 Uhr ist man fast noch alleine (… in USA auch, dort aber, weil alle schon weg sind) -> 22.00 Uhr ist die perfekte Zeit. Viele Deutsch-Chilenen leben im Süden, die Kultur wird gepflegt: ein Bsp. ist der Deutsche AlpenAnden-Verein. Auch soll es hier den weltweit besten Apfelstrudel u. Streuselkuchen geben (?)

Die Unterkunft ist ein Glücksgriff: am Abend kommt unsere Landlady Gerti. Gerti ist supernett, besuchte zudem die deutsche Schule und spricht prima deutsch. Durch Gerti bekommen wir viele Informationen & Tipps u. lachen viel gemeinsam. Daraufhin fahren wir über Berge und durch saftig-grüne Täler an den chilenischen Pazifik. Es ist anders, es ist beeindruckend. In Chile ist derzeit Frühjahr, die Temperaturen liegen bei knapp 20 Grad.

Der Chilene fährt flott Auto, nicht selten überfüllt. Da wundern die vielen Gedenkstätten entlang der Straße nicht wirklich. Das ort- und verkehrssystemunkundige setzt so manches Adrenalin frei. Dunkel gekleidete Gestalten, nachts plauschend auf der Mittelplanke der Autobahn sitzend … Reflektoren wären eine sichere Geschäftsidee!

Aber zur Sache: Chile und Wein. In Chile wird schon lange Wein angebaut, aber erst europäisches Know-How und vor allem Investitionen brachten den Schub in die erste Liga. Man hielt lange Zeit eine Rebe für Merlot, die sich als die in Frankreich ausgestorbene Carmenere-Traube entpuppte, heute das Aushängeschild für Chile. Aber auch Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Chardonnay etc. werden mit Erfolg angebaut u. exportiert. Chile hat herausragende Bedingungen für den Weinbau -> Krankheiten sind selten, so spielte in Chile die Reblaus (die in Europa einst so viel zerstörte) nie eine Rolle. Chile ist heute Nr. 6 im globalen Ranking der weinproduzierenden Länder, Deutschland liegt im Vergleich auf Platz 10, hat knapp die Hälfte der Weinanbaufläche.

Wir besuchen in der Region Maule zunächst zwei mittelgroße Weingüter: bei Balduzzi (italienische Wurzeln) hatten wir mit Louis einen exklusiven Rundgang mit Tasting, gute Weine im Bereich Sauvignon Blanc, Chardonnay u. der French Blends = Cabernet Sauvignon & Merlot. Sehr interessant sind auch seine Ausführungen über das Erdbeben in dieser Region von 2010, viele Zerstörungen u. Verluste: über 400.000 Liter bester Wein flossen die Straße hinab. Wir trafen beim abschließenden Tasting Liz & Blake, ein amerikanisches Paar aus NYC auf Honey-Moon-Reise. Danach ging‘s zu Gillmore (irische Wurzeln), die Amerikaner waren schon da, mussten aber los, sie wollten noch in die Anden zum Skifahren. Wir wagten mit der Tasting Room Managerin Rebecca eine 2er-Führung auf Spanisch, vieles kam uns wirklich spanisch vor … aber wir hatten viel Spaß! Der 2011er Cabernet Franc jedoch enttäuschte.

Am nächsten Tag fahren wir zu Miguel Torres Chile ins Colchagua-Tal. Miguel Torres ist der führende spanische Winzer, ein international erfolgreicher Geschäftsmann, der die besten Bedingungen in Chile früh erkannte u. investierte. Es beginnt an der Schranke, die größeren Anlagen sind gut bewacht. Man fragt nach der Reservierung, die wir nicht haben. Doch wir kommen rein u. George nimmt sich unserer an: zu dritt begeben wir uns mit Regeschirm auf Tour. Neben gutem Wein aller Preiskategorien setzt M. T. Chile viel auf Fair-Trade u. auch Bio-Anbau, der in Chile sicher auch leichter zu realisieren ist. Von dort geht’s nach Santa Cruz ins Museum, gefördert von M. Cordoen, einst Waffenhändler, heute Mäzen u. Weingutsbesitzer. Dafür hat er auch Zeit, er kann Chile nicht verlassen, steht in versch. Ländern auf der Fahndungsliste … das Museum aber ist echt klasse. Auf der Fahrt nach Santiago nehmen wir die Schleife u. besuchen kurz San Pedro, nehmen eine Flasche Cabernet S. von 100 Jahre (!) alten Reben mit. Dann schauen wir bei Montes rein, einem der großen, global arbeitenden Weingüter. Obwohl wir eigentlich spät sind, lädt Emanuel zum Plausch u. zum Iconos-Tasting ein, Iconos sind die Top-Weine der Güter. Zum Abschluss geht’s noch zu Laura Hartwig (deutsche Großeltern), die Flasche 100% Petit Verdot – meist nur im Blend = Cuvee zu bekommen – muss noch mit.

IMG_1051 IMG_1168 IMG_1062 IMG_1202 IMG_1079 IMG_11617 IMG_11481 IMG_1161 IMG_1075 IMG_1095 IMG_1068 IMG_1144 IMG_1143 IMG_1138 IMG_1134 IMG_1112 IMG_1115 IMG_1105 IMG_1101 IMG_1099  IMG_1077 IMG_1069 IMG_1113 IMG_1120 IMG_11146 IMG_1071 IMG_1087 IMG_1080

*Bilder: Blitze in den Wolken nebenan, Mazda im Flugverkehr, Pergola-Anbau: mehr Ertrag – weniger Qualität, Hundedenkmal, Erdbebenrisse im Weinkeller, Kerstin b. Laura Hartwig, Weinkeller + Verkostung b. Montes (2), gängige Betontanks, Pazifikstraße, Wein-Tresor v. Balduzzi, 25 km “Straße” Richtung Wasserfälle, Gerti, Italiener in Santa Cruz, Reben-Erziehungsmethode, Barrique-Keller: französische + amerik. Eiche, Gewürztraminer auch in Südamerika, Pazifikküste (3), Liz & Blake, Kerstin u. Louis, George u. Uwe, Tasting b. Torres, Montes Winery, Vineyard v. Balduzzi, Garten v. Gillmore, Spielzeug aus d. Inkazeit.

Mit Sack & Pack fahren wir nach Santiago de Chile. Deutsche Vorsicht: wir buchen aufgrund der Erbebensituation u. div. Nachbeben in den letzten Tagen ein Hotel, welches nur 2 Stockwerke hat. Das liegt in Downtown, ist erst 3 Wochen alt u. ein nettes Boutique-Hotel … es gibt gefühlt mehr Angestellte als Zimmer. Santiago ist überraschend aufgeräumt u. sauber, die Leute gechillt -> kommt vielleicht von Chile? Es gibt viele schöne Ecken, interessante Einrichtungen: Art-Museum, Santa Lucia Hill, Tanz- u. Akrobatengruppen vor der Uni, Künstlerviertel Bellavista u. Mercado Central -> hier treffen wir Louis, ein älterer Herr, der uns ins Don Augusto lancierte … in früheren Jahren war er Dolmetscher in Genf (spricht super deutsch, jeder Satz endete mit Logo) u. erlebte dort die Barschel Affäre … so viel zu Schleswig-Holstein. Die Welt ist wieder mal klein. Und Louis ist für Don Augusto ohne Frage sein Geld wert!

Santiago kommt leider zu kurz, Argentinien wartet … hoffentlich haben die Gauchos das verlorene Endspiel vergessen!

IMG_12018 IMG_1211 (002) IMG_1196 IMG_1199 1

*Bilder: Mercado Central m. allgegenwärtiger Flagge, “GF” Louis, Santa Lucia Hill, Santiago Downtown, Wache des Regierungspalastes.

Kalifornien, San Francisco & Wein, USA (17. – 20. Sept.)

Kalifornien, San Francisco & Wein, USA (17. – 20. Sept.)

Wir starten die Tagesreise von Oregon nach Nordkalifornien. Derzeit sind einige mächtige Waldbrände in Gange, zum Glück geraten wir in keinen. Dafür passieren wir Oliven-Plantagen, soweit das Auge reicht. Wir übernachten in Davis, hier ist die University of California beheimatet, u. a. auch die Fakultät für Weinwirtschaft (Önologie). Nebenbei auch eine sehr nette Fahrradstadt. Am Abend geht’s nach Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, nicht etwa San Francisco oder Los Angeles. Noch vor einigen Jahren regierte Arni hier im Capitol.

Es ist sehr warm, ca. 35 Grad. Bislang hatten wir warmes bis heißes Wetter u. durchgehend Sonne. Eine kleine Ausnahme gab es im südl. Oregon: 2 Nieselregen bei etwas kühleren Temperaturen, danach aber rasch wieder Sonne.

Es folgt die Fahrt ins Napa Valley: wir durchqueren bekannte Anbaugebiete wie Oakville u. Rutherford, dort der Besuch der sehr imposanten Robert Mondavi Winery, dem kalifornischen Wein-Pionier. Wir sind bei Weitem nicht die einzigen Besucher des Napa V., vor allem sind viele Asiaten unterwegs, in kleinen wie in großen und teils recht lautstarken Gruppen. Wir konzentrieren uns hier auf die weißen Weine, Chardonnay u. ein sehr interessant grasig, würziger Fume Blanc (Sauvignon Blanc im Holzausbau) stehen auf dem Programm. Danach besuchen wir Opus One, einst ein Wein-Joint-Venture von Philippe de Rothschild v. Mouton Rothschild im Bordeaux und Mondavi. Das Weingut ist sehr futurisch, hier könnten auch FBI, CIA oder NSA ihren Sitz haben. Es geht in Einzelbetreuung die Wendeltreppen hinab, dort steht der besondere Tropfen wie ein Gral. Das Tasting kostet für den 2012er 25,00$, der 2010er 60,00$ … für etwa 3 Schluck. Neu für mich war, dass auch der Weltwein Opus One einen Zweitwein hat, der Overture – dieser jedoch nur in USA vermarktet wird. Dann geht’s ein wenig nördlich zu Beringer, das nächste Hammer-Weingut. Beringer, geboren in Mainz, baute die Rhein-Villa 1876. Beringer ist nicht klein, produziert einige Millionen Flaschen p. a. und bietet nahezu alles: von guten Einstiegsweinen bis hin zu Raritäten. Generell sind besondere Weine auf spezielle, ältere Lagen, aufwendige Weinbergs-Pflege, einen sehr reduzierten Ertrag und i. d. R. längere Reifezeiten (bei roten Weinen meist im Holzfass) zurückzuführen. Wir geraten an Adrian, ich schummle und erzähle, dass ich aus dem gleichen Geburtsort wie Beringer komme (für den Kalifornier liegt Alzey sicher nicht weit von Mainz entfernt) u. schon gibt’s zum Vergleich einen der beschriebenen, seltenen Weine for free. An der Stelle lobe ich mir echtes Vertriebsverhalten.

An Tag zwei der Kalifornia-Weine reisen wir nach Carneros und ins benachbarte Sonoma. Wir besuchen das scheinbar beliebte Chateau Carneros, der Sparkling Wein = Schaumwein zieht die Massen an, viele Amerikaner und wie gehabt, Asiaten (meist Chinesen) in Shuttles u. Stretch-Limos: zu viel Kommerz, wir sind schnell wieder weg … fahren zu Gundlach & Bundschu, ebenfalls auf deutsche Auswanderer zurückzuführen. Laut dem Tasting Manager war G & B 1848 der erste Winzer im Sonoma. Gute Weine, die roten waren aus meiner Sicht noch zu jung zum Trinken, die Tannine (Gerbstoffe) zu präsent. Aber tolle Anlage auf dem Hügel – insbesondere beindrucken die 45 Jahre alten Gewürztraminer und Pinot Noir Reben, die ältesten in Sonoma. Mit Ausnahme der eher französischen Anlage des Chateau Carneros gibt es meist Güter im Toscana-Stil zu bewundern. Besonders im Napa Valley wird Geld verdient, obwohl es nur ca. 4% der kalifornischen Weinproduktion ausmacht. Interessant ist aber, das viele (u. a. Beringer, Gundlach) bereits Geld mitbrachten … Gundlach hat es kurioserweise mit Bier verdient. Nicht selten wurde an anderer Stelle gut verdientes Geld dazu genutzt, sich seinen Traum des eigenen Weinguts zu erfüllen.

IMG_0923 IMG_0997 IMG_0950 IMG_0952 IMG_0962 IMG_1008 IMG_1001 IMG_1006 IMG_0973 IMG_0925 IMG_0990 IMG_0945 IMG_0939 IMG_0935 IMG_0995 IMG_0931

*Bilder: Sacramento, Erntehelfer, Mondavi, Opus One, Beringer, Wein & Kunst, Ernte: Handselektion & Entrappen, Kerstin b. Gundlach & Bundschu: wobei die Deko mehr interessierte, Beringer: nobles Tasting, Missbrauch v. Fässern: Candy-Shop in Sacramento,Chateau Carneros: Sparkling-Wine, Mondavi’s Clubsessel, Amerika: think big, span. Traubenpresse 16. Jhd., älteste Gewürztraminier-Rebe in Sonoma, nein: nicht Uwe in 25 Jahren -> der echte Mondavi.

Auf dem Weg nach San Francisco besuchen wir den Muri-Nationalpark, die Red-Wood-Mammutbäume, Ehrfurcht kommt auf: ca. 500 Jahre alt, als Columbus Amerika entdeckte, hatten diese Bäume schon die Hälfte ihres heutigen Durchmesser erreicht. Am Abend noch ein kurzer Blick von Sausolito aus auf das Gegenüberliegende San Francisco, dann geht über die Golden Gate Bridge rein ins Getümmel. SF ist Schmelztiegel verschiedenster Rassen und Orientierungen, hier geht man in Respekt u. Toleranz miteinander um. Das macht den besonderen Charme San Franciscos aus u. die Stadt zu einem der beliebtesten Reiseziele der Welt. Aber auch hier liegen reich und arm, Gewinner u. Verlierer eng beieinander. Da wir SF schon aus den Vorjahren kennen u. die Zeit drängt, haben wir – nach dem Abendessen in China Town – morgens nur wenige Stunden für einige Bilder eingeplant. Leider bleibt auch der Abstecher nach San Jose auf der Strecke, gerne hätte ich vor Ort Abschied vom ehem. Arbeitgeber im Silicon Valley genommen. Der Puls aber beim Highway-Schild „San Jose“ steigt, Erinnerungen kommen nicht nur beim Passieren des AT&T Stadiums auf, so eng liegen alt und neu (auch geografisch) zusammen. Eine Ära, für die ich dankbar bin und die bleibt, so hat alles seine Zeit! Auf zum Flughafen und ab nach Südamerika … good bye America.

 IMG_1009 IMG_1013 IMG_1014 IMG_1022 IMG_1032 IMG_1035 IMG_1040 IMG_1042 IMG_1044

*Bilder: Blick v. Sausolito auf San Francisco + Alcatraz (dort saß Al Capone), Mammutbäume (2), Golden Gate, Lombard Street: SF ist extrem hügelig, Pier 39: Seelöwen, Cable Car, Segler v. Alcatraz, Rocky Mountains v. oben.